Diese Italiener…

Nein, ich habe nicht vor, mit dem Finger auf die Italiener zu zeigen. Diese Ideen hätten auch in Deutschland erbrütet werden können. Nun, vielleicht sind sie das ja auch… wir werden sehen.

Da engagieren sich in Norditalien Bürger für ihr Land! Sie wollen Verbrechen verhindern, indem sie die Planung des Verbrechens verhindern. Das scheint ein revolutionäres Konzept zu sein, und dunkel erinnere ich mich, es in einem Film schon mal gesehen zu haben. Allerdings war das ein fiktionaler Film, ich will sagen, die dort gezeigten technischen Möglichkeiten schienen schon recht märchenhaft. Aber der tolle Held (in dem Falle war es Tom Cruise) holte das alles wieder raus und machte diese kleinen Unstimmigkeiten mit der Realität durchaus wett…

Und wer weiß, vielleicht sind die Möglichkeiten ja inzwischen auch gewachsen, und man kann – was werden Wissenschaftler noch so ausbrüten – die Zukunft voraussehen.

Ein mir gut bekannter Physiker grinst zwar immer etwas boshaft, wenn das Thema darauf kommt, denn des Fachs wegen ist ihm wohl klar, daß das so nicht möglich ist. Er murmelt etwas von „Heisenberg“ und „Unschärfenrelation“, zumindest meine ich das zu verstehen. Manchmal hat er es auch mit der Katze, die ein gewisser „Schrodinger“ oder „Schrödinger“ besessen haben muß.

Dennoch, meine Neugier blieb, und ich las diesen Artikel

http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E57F9EF61E10B4F23B438822F5D070E2D~ATpl~Ecommon~Scontent.htm

Aha. Eine Partei besorgter Menschen, die Lega Nord, hatte eine prima Idee zur Verbrechensprävention. Ein Bürgermeister, wohl dieser Partei besorgter Menschen sehr zugeneigt oder nahestehend, ruft seine Mitmenschen Einheimischen auf, ihm illegale Einwanderer zu melden. Denn merke, diese sind die bösen Jungs.

Es ist ein sehr nobler Ansatz, seine Gemeinden vor Kriminellen schützen zu wollen. Und wenn das funktioniert, mit der Anzeige und dem Rauswurf des illegal eingewanderten Kriminellen, wäre das eine feine und preiswerte Sache. Mir ist nur nicht ganz klar, müßte man die Bezeichnung nicht korrekterweise „illegal eingewanderten unwiederlagbar vermuteten Gesetzesbrecher“ nennen?

Ich gebe zu, für solche Wortschöpfungen sind wieder wir Deutschen zuständig. Wir können das, wie die Geschichte zeigte. Wir können aber noch mehr.

Es gab eine Zeit, da nannte man solche Vorgänge schlicht DENUNZIATION. Man nannte dies auch schon UNTERSTELLUNG. Noch gilt in vielen Ländern der Erde eine juristische Unschuldsvermutung. Offensichtlich gilt diese nur für bestimmte Kreise und in bestimmten Zeiträumen.

Denn in anderen Zeiträumen gilt sie nicht, jedenfalls für Menschen mit bestimmten Merkmalen, und diese sind ja frei verhandelbar. Nicht von den Merkmalsträgern, das ist klar. Wo käme man da auch hin, wenn jeder da mitreden könnte.

Eine gewisse Ordnung muß schon sein. Ich verstehe nur nicht so ganz, weshalb mir die Geschichte so ein komisches Gefühl im Bauch beschert hat. Vielleicht, weil es das schon mal hier gegeben hat? Mit effektiveren Mitteln, mit deutscher Gründlichkeit.

Die Italiener müssen in der Hinsicht noch einiges lernen.

Illegale zu verstecken war jedenfalls in Deutschland vor Jahrzehnten nicht gerade die große Mode, aber es gab das. Der Einsatz war auch etwas höher.

Ich frage mich nun, wenn ich denn mal nach Italien fahre, ob ich dort auch als Ausländer erkannt werde? Und gleich mal prophylaktisch angezeigt werde? Ob ich illegal oder legal dort bin, kann man dann ja noch herausfinden, wenn ich erst einmal festgesetzt bin. Ich frage mich nur, ob ich dann eine eigene Heimfahrkarte bekäme, oder ob ich der Einfachheit halber mit den anderen mitgeschickt werde. Dahin, wo halt die Mehrheit der Truppe herkommt. Oder mutmaßlich herzukommen scheint.

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3 Antworten to “Diese Italiener…”

  1. nickpol Says:

    Hi yeRainbow, hab die „Schrippe“ verlinkt. 🙂

  2. Michael (Eifelpfeil) Kieweg Says:

    Dieses faschistische Gedankengut findet in unseren komplizierten Zeiten immer mehr Anhänger.
    Einfache Lösung für komplexe Probleme – die Fremden sind schuld.
    Die Unterschiede zu Deutschland sind doch nur graduell; ob bei uns die Ordnungshüterdazu auffordern „das vermehrte Auftreten von Fremden“ in der „Nachbarschaft“ zwecks Verbrechensprävention zu melden oder italienische Bürgermeister dazu, Illegale zu denunzieren – Alles kommt aus demselben Loch gekrochen.
    Dazu gehören „meine“ Ortsvorsteher und Bürgermeister, die sich quer durch alle Parteien einig sind, daß „man“ Asylanten und HartzIV-Empfänger besser intergrieren muss – aber bitte nicht bei uns im Ort.
    Da liegt dann auch die Asylantenunterkunft in Lammersdorf strategisch günstig, weit ab vom Ort, ein paar Kilometer tief im Eifelwald und Integration bedeutet, daß 2mal täglich ein Bus kommt…..
    Dazu dann noch den euphemistischen Sprachgebrauch in der Politik und den Medien, der es zunehmend unmöglich macht, die Dinge beim Namen zu nennen.
    Da ist ein Dummkopf kein Dummkopf, sondern Angehöriger einer bildungsfernen Gruppe; eine arme Sau keine arme Sau, sonder angehöriger einer einkommensschwachen Gruppe, einKrüppel kein Krüppel, sondern körperlich benachteiligt…..
    Das ist Alles gut gemeint, führt aber letztlich in die Verharmlosung und damit dazu, das Frechheiten und Zumutungen garnicht mehr als solche erkannt werden.

    Michael

  3. yerainbow Says:

    Ja, der Unterschied zwischen Zivilcourage und Denunziation ist riesig.

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