Oh, Baby, Baby…

Eine nicht ganz neue Geschichte. Schon Moses soll in einem Körbchen den Nil heruntergeschwommen sein, und eine Pharaonentochter erbarmte sich seiner und rettete ihm das Leben und gab ihm eine Zukunft…

So sagt es die Legende.

Einige deutsche Vereine haben im Verbund mit religiösen Honoratioren diesen schönen Brauch wiederbelebt, vor ungefähr 10 Jahren. Das nannte sich Babyklappe und sollte „verzweifelten jungen Frauen die Möglichkeit geben, ihr Kind am Leben zu halten“, äh, am Leben zu lassen.

Der Gedanke dahinter war, wenn eine sich schon anknallen ließ, und dann auch noch schwanger wurde, und das Kind aus allen möglichen Gründen nicht behalten könnte, würde sie es sicher umbringen. Man hört ja ab und zu solche Horrorstories, Babys in Tiefkühltruhen oder einbetoniert in Blumenkübeln und was dergleichen schöne Ablageorte noch wären.

Aus diesen Fällen leitete man ab, daß eine Babyklappe, bei der das Kind heimlich abgelegt werden kann, denn die Kirchentreppen sind heuer doch etwas zu gut beobachtet, diesen Kindern das Leben retten könnte.

Inzwischen, ich erwähnte es schon, gibts die Babyklappen schon seit etwa 10 Jahren. Daß sie im rechtsfreien Raum operieren, hat bisher auch nicht weiter gestört. Und ich neige auch eher zu der Ansicht, daß die Horrorstories von Tiefkühltruhen oder Blumenkübeln nicht seltener geworden sind.

Aber da müssen sich schon Fachleute drum kümmern. Ich kann nur vermuten, daß die Klappen also ihren Job so gar nicht richtig erfolgreich tun.

Andererseits hat heute eine Mutter das Recht, ihr Kind zur Adoption abzugeben, wenn sie es nicht selbst aufziehen kann oder mag. Das darf sie sich nach der Geburt auch noch mal 8 Wochen überlegen. Eine Einwilligungserklärung ist nämlich erst nach diesen ersten 8 Wochen nach der Geburt rechtsgültig abzugeben. Vermutlich will der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung tragen, daß eine Frau kurz nach einer Geburt seelisch etwas aufgewühlt ist. Ich habe mir allerdings sagen lassen, daß es auch Väter gibt, die es emotional aufwühlt, ein Kind zu bekommen…

Nun denn, es gibt seit Bestehen der Babyklappen kritische Stimmen GEGEN diese Klappen. Mittlerweile hat sich der Ethikrat damit befaßt und eine Empfehlung dazu abgegeben: http://www.welt.de/politik/deutschland/article5334945/Ethikrat-empfiehlt-Schliessung-von-Babyklappen.html

Darauf melden sich massiv Stimme zu Wort, die sich sehr FÜR die Fortführung der Babyklappen stark machen. Sehen wir uns das etwas genauer an. Es sind bekannte Herren der Religionsfraktion, denen allerdings von ihren eigenen Fachfrauen widersprochen wird, nachzulesen im angegebenen Artikel. Eine Bischöfin wird diesbezüglich für die Herrenriege zitiert, aber halten wir ihr mal zugute, daß sie nicht so genau durchschaut, worum es da geht.

Eine anonyme Geburt ist in Deutschland offiziell derzeit nicht möglich. Das hat gute Gründe, denn einerseits hat das Kind das Recht zu erfahren, von wem es abstammt. Andererseits würde anonyme Geburt bedeuten, die liebe Mama trägt die Kosten sofort und bar, oder sie hat hierfür sofort einen solventen Geldgeber. Die Krankenkasse jedenfalls kann den Klinikaufenthalt nicht finanzieren, wenn´s ANONYM geschieht. Kann sie das nämlich, weiß sie, für welche Versicherte sie zahlt…

Das bedeutet aber ebenso, daß die Schwangere ohne jegliche Unterstützung und Hilfe durch die Geburt hindurch muß. Sieht so aus, als wäre das natürlich unbedeutend. Kleinigkeit?

Dies also ist ein Problem. Das nächste Problem ist natürlich, daß in der Babyklappe abgelegte Kinder tatsächlich anonyme Kinder sind, also unbekannte Kinder.

Wer könnte ein Interesse daran haben, ein Kind völlig anonym bleiben zu lassen? Weniger die Mutter, die zu einer Adoptionsfreigabe bereit ist – vielleicht ein unwilliger Vater? Offensichtlich wissen die Herren Kirchenoberen recht gut, was die eigentliche Ursache für die Babyklappe ist… der anonym zu bleiben wünschende Kindeserzeuger.

Da die Kinder anonym sind, ist auch jeglicher Willkür und kriminellen Handlungen einiges an Möglichkeiten zugewachsen. Der Inzest-Täter ist sicherlich ebenso angetan von den Möglichkeiten wie der Zuhälter, der sein Pferdchen disziplinieren, erpressen oder einfach fertig machen will.

Über Folgeprobleme, die sich noch für unregistrierte Kinder und kriminell interessierte Beteiligte ergeben könnten, möchte ich gar nicht spekulieren.

Wo ein Markt existiert, finden sich früher oder später auch Anbieter. Und auch Gesetze hindern daran nicht unbedingt.

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

3 Antworten to “Oh, Baby, Baby…”

  1. yerainbow Says:

    kleines Update: die Diskussion geht natürlich weiter

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article5360620/Soll-man-die-Kinder-sterben-lassen.html

  2. Corinne Says:

    Every weekend i used to pay a quick visit this web
    page, because i want enjoyment, as this this site conations really fastidious funny material too.

  3. best Woocommerce theme Says:

    Hey would you mind sharing which blog platform you’re working with?
    I’m looking to start my own blog soon but I’m having a hard time making a decision between BlogEngine/Wordpress/B2evolution and Drupal.
    The reason I ask is because your design seems different then most blogs
    and I’m looking for something completely unique.
    P.S My apologies for being off-topic but I had to ask!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: