Die Sorgen lediger Väter…

„Väter-„organisationen jubeln. Der Europäische Menschenrechts -Gerichtshof hat wieder einmal ein Urteil zum Thema „Das Recht am Kind“ gefällt. Hier nachzulesen, daß ein lediger und nicht sorgeberechtigter Vater Rechte erhalten soll. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,665007,00.html

Es ist nicht der erste Entscheid des Eu MGH, der von einem speziellen Sachverstand zeugt. Da gab es den Fall „Görgülü“, der von vielen mit vollem Interesse verfolgt wurde.

Es wurde einem Adoptivkind die Familie, in der es lebte, entzogen. Der Vater dieses Kindes, verheiratet und an Folgen seiner außerehelichen sexuellen Kontakte augenscheinlich vordringlich nicht weiter interessiert, bekam Rechte am Kind.

Die Kindesmutter hatte dieses Kind zeitnah zur Geburt zur Adoption freigegeben. Inzwischen mußte das Kind seine eigenen, ihm bekannten Eltern – die Adoptiveltern – verlassen und „darf“ nun in der Familie des  biologischen Vaters leben. Nach dem Kindeswohl, dem Kindesrecht (das offensichtlich nicht existiert) und der gesunden Unterstützung der Kindesentwicklung hat kein Eu MGH gefragt. Dort ist man sicherlich sehr zufrieden mit der Entwicklung der Dinge. Die Entwicklung des Kindes ist hingegen eher mäßig.

Hier ein Überblick zu diesem Fall, wer sich hindurcharbeiten will http://www.agsp.de/html/n487.html

Ein etwas ähnlicher Artikel, kürzer, leider auch im Juristen-Jargon, hier http://www.agsp.de/html/a109.html

Man muß davon ausgehen, daß die meisten ledigen Väter mit ihren Fällen ganz anders gelagert sind. Weder haben sie die betreffenden Schwangerschaften ignorriert noch haben sie das Kind vernachlässigt, gar mißhandelt oder traumatisiert. Sie leiden darunter, daß ihnen das Umgangsrecht verwehrt wird und sie kein Sorgerecht erhalten können.

Der fehlerhafte Gedankengang liegt auch beim Gesetzgeber. Denn wäre es vom Gesetzgeber nicht als Sorgerecht benannt worden (was historische Ursachen hat), sondern Sorgepflicht, würden sich die Väterwünsche doch gleich ganz anders anhören.

Mütter und Vereine würden diese modernen Väter hochleben lassen, die sich darum reißen, Pflichten rund ums Kind übernehmen zu dürfen. Es würde Auszeichnungen hageln, und Chefs würde die komische Frage nach dem „Babyjahr für Sie? Sie sind doch ein Mann!“ gänzlich im Halse stecken bleiben.

Leider ist es nicht so häufig, daß die klagenden Väter die Pflichten im Auge haben, wenn sie „sich um ihre Kinder kümmern wollen“.

Leider, muß man sagen, gibt es auch ausreichend Mütter, die sich diesen Pflichten nicht stellen können. Die Pflegekinder-Ressorts der Jugendämter können davon ganze Arien singen. Diesen Müttern, die aus verschiednen Gründen ihre Pflichten nicht absolvieren können, haben sehr selten Väter zu bieten, die sich mehr darum bemühen würden. In manchen Fällen hat das Kind mit beiden Eltern kein gutes Los gezogen, und es in solchen Fällen in Pflege zu geben, ist ein Geschenk, das nur wenigen Kindern zukommt, ohne langwierige Kämpfe und zähes Herumgezerrtwerden überstehen zu müssen…

Ich möchte mich hier aber nicht auf die Fälle mit deutlichen Defiziten konzentieren, sie sind zu komplex, um das kurz abhandeln zu können. Ein Lesetip von mir, wer sich dafür interessiert, http://www.agsp.de/html/r192.html

Der Vater, der für das Umgangsrecht streitet und am liebsten der Mutter seines Kindes alle Rechte verwehren wollte, möge sich ein wenig mit der Geschichte vertraut machen.

Bis 1969 war es – paradiesische Verhältnisse, nicht? – nicht vorgesehen, daß eine Mutter das Sorgerecht für ihr Kind bekommt. Eine Mutter war entweder verheiratet – Sorgerecht beim Vater , geschieden – Sorgerecht beim Vater, oder in allen anderen Fällen mit einem sorgeberechtigten Vormund ausgestattet.

Die Auswirkungen solcher Politik ist recht kurzweilig in der Autobiographie des Schauspielers Gottfried  John nachzulesen, „Bekenntnisse eines Unerzogenen“. Es gibt auch weniger bekannte Leute, denen ähnliches zugestoßen ist. Ein Amtsvormund war berechtigt, ein Kind der ledigen Mutter zu entziehen, und es in ein Kinderheim zu stecken. Ein geschiedener Vater war leicht in der Lage, die Mutter von den Kindern fernzuhalten, wenn ihm der Einfluß nicht zusagte.

Ein geschiedener Vater, der seine Exfrau zur Kindespflege beauftragte (nicht sie durfte entscheiden, das entschied ER), war über das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder in der Lage, die gesamten Lebensumstände der geschiedenen Frau zu bestimmen. Das ging von Schulbesuch, Gesundheitsfürsorge bis zur Festlegung des Wohnortes.

Natürlich galt auch der Scheidungsgrund, damals wurde noch „schuldig“ geschieden. Eine schuldig geschiedene Frau war ihre Kinder natürlich los, und ein schuldig geschiedener Mann konnte trotzdem Sorgeberechtigter seiner Kinder sein. Oder aber es gab einen Amtsvormund.

Ein Vater, der heute um das Recht kämpft, die Sorgepflichten für sein Kind erfüllen zu dürfen, hat ein schweres Erbe in Form dieser historischen Belastung zu tragen.

Dabei kann es doch immer nur um eines gehen: was ist gut und sinnvoll für das Kind. Im Eifer des Streites wird das nur allzuoft in die hinterste Ecke gedrängt.

Die alte Frage drängt sich wieder in den Vordergrund: wem nützt es. Daraus kann man ableiten, wie es klappen wird.

Also, liebe ledige Väter: selbst wenn die Gesetze geändert werden, ist so mancher Sieg mit Machtmitteln ein Pyrrhus-Sieg.

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Eine Antwort to “Die Sorgen lediger Väter…”

  1. yerainbow Says:

    Hier noch ein Artikel über die Sicherheit von Kindern in solchen Streitigkeiten und die langfristigen Auswirkungen, die solche Streitigkeiten haben.
    http://www.agsp.de/html/a68.html

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