Nicht: „…eine Familientragödie“, sondern versuchter Mord

Ein Mann ist wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Während in den Zeitungen meist von „Familientragödie“ berichtet wird, nannte das Gericht die Aktion ganz zutreffend einen versuchten Mord, nachzulesen hier http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,666181,00.html

Ein Vater versuchte also, seine Kinder – zu denen er schon einige Zeit keinen Kontakt mehr hatte – mit einem Hammer zu erschlagen. Warum er dies tat, kann man nur vermuten, aber einige Hypothesen dazu liegen recht nahe:

– Das Kind als Besitz. Und verliert er seinen Besitz, so kann er im Zorn gedacht haben, „wenn ich die nicht besitzen darf, darf sie keiner besitzen“. Klassisches Motiv beim Eifersuchtsmord, und sehr entlarvend.

– Die Mutter hart bestrafen. Einer Mutter – vorausgesetzt einmal, sie hat ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern und nimmt an ihren Fortschritten und ihrem Leben regen Anteil – die Kinder nicht nur zu entziehen, sondern sie auch noch dazu zu zwingen, diese begraben zu müssen, ist eine extrem harte „Strafe“. Klassisches Rache-Motiv.

– Die Kinder „erlösen“ aus ihrem eventuell schwierigen Leben. Damit nimmt der Täter eine Heils-Figuren-Haltung an, und geht schlicht davon aus, daß er problemlos einschätzen kann, wie lebenswert das Leben für diese Kinder noch ist. Und er legt individuell fest, daß der Lebenswert für diese Kinder nicht mehr ausreicht. Klassisches Erlöser-Motiv mit Perfektionismus-Anspruch.

– Kränkung. Er wurde nicht um seine Ansicht zu der ganzen Angelegenheit gefragt, sondern die Entscheidungen fielen ohne ihn. Widerum ein klassisches Rache-Motiv, gepaart mit einem ausgeprägten Größenwahn.

– Zorn/Wut. Weder wurde er gefragt, noch wurde er besänftigt. Möglicherweise erwartete er einen gewissen Unterwerfungs-Gestus, um Großmut walten zu lassen, oder auch nicht. Rache-Motiv mit Größenwahn.

Möglicherweise habe ich einge der Gründe dieses Vaters vergessen oder nicht ganz verstanden. Mir ist auch nicht bekannt, welche er selbst angegeben haben mag. Aber die Zielrichtung seines Handelns ist klar ersichtlich: den Kindern einen großen Schaden zufügen, um die Mutter zu treffen.

Man möge mich nicht falsch verstehen. Dies ist nicht an die biologische Vaterschaft gekoppelt, und auch nicht an das biologische Geschlecht. Wichtig ist hier nur, daß ein Mensch seine Möglichkeiten genutzt hat, um einen anderen Menschen fertigzumachen, und dabei schwere Folgen für unbeteiligte und ausgelieferte Wehrlose nicht nur billigend in Kauf nahm, sondern auch gezielt als Mittel verwendete.

Besonders ins Auge fällt, daß er der Polizei erst einen Wink gab, als er meinte, die Kinder seien nun wirklich tot.

Das Beispiel zeigt, daß die Sorgerechtsfrage und die Frage nach dem Kindeswohl eine sehr wichtige Frage ist, die nicht nach einem beliebigen Schema, nicht nach Wunschdenken und nicht leichtfertig gehandhabt werden darf. Zum Schutz von Minderjährigen, die sich noch nicht selbst schützen können.

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3 Antworten to “Nicht: „…eine Familientragödie“, sondern versuchter Mord”

  1. yerainbow Says:

    Kein Einzelfall, wie dieses weitere Beispiel zeigt, leider mit erfolgreichem Mord an 3 Mädchen, mutmaßlich durch ihren Vater. Dieser war schon im Vorfeld wegen Gewalttätigkeiten gegen die Mutter abgeurteilt worden, was jedoch niemanden auf die Idee brachte, ihm vielleicht den Umgang mit den Kindern zu verwehren…
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,669819,00.html

  2. yerainbow Says:

    Und wieder titelt eine Zeitung „Familientragödie“. So unpassend wie immer.
    http://www.welt.de/vermischtes/article6501173/Vater-erschlaegt-Dreijaehrigen-mit-Eisenstange.html

  3. waffle iron Says:

    Have you been running out of good ideas for making breakfast.

    There is no appliance in my kitchen that gets more use.
    Eating at the party.

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