Verlockendes Angebot

Vielleicht bin ich tatsächlich einfach paranoid.

Vielleicht habe ich eine Chance, leichthin Geld zu verdienen, einfach sausen lassen. Vielleicht aber hätte demnächst die Polizei vor meiner Tür gestanden und Fragen gestellt, die ich nicht im Ansatz hätte beantworten können.

So zum Beispiel die Frage: „Wer ist Ihr Auftraggeber?“ Keine Ahnung, hätte ich sagen müssen.

Aber schön der Reihe nach.

Über einen Facebook-Kontakt, der nett und interessant schreibt, und der auch mit vielen anderen Leuten verbunden ist, wurde mir ein verlockendes Angebot gemacht – schreib  einige kurze Texte, feile die Formulierungen schön glatt, und kassiere dafür 500 Eu.

Wow, die Branche scheint zu boomen. Klar kann ich das. Ich schreibe so ziemlich jeden Text, wenns nur in meiner Muttersprache ist. Gedichte, naja, da tu ich mich etwas weniger leicht, aber wer weiß. Für ein ordentliches Gehalt kann ich auch das.

Noch verlockender: kassiere 100 Eu schon vorab, denn dies ist in der Branche üblich (ist es das? Texter müssen recht gut über die Runden kommen, wie mir scheint), gib mir mal fix deine Kontenverbindung.

Vielleicht hätte ich nix weiter geschnallt, es schien alles so stimmig. Einziger fragender Punkt: mit wem habe ich überhaupt das Vergnügen?

Nun, mit meinem mir bekannten freundschaftlichen Facebook-Kontakt.

Der versicherte mir lebhaft, daß er selbst der Auftraggeber sei, daß er ne kleine Firma habe, die solche Auftrage bearbeitet, vergibt und verwertet. Und daß die Kohle von ihm direkt kommt, nur eben…. Kontendaten! Und zwar gleich, wenns geht.

Kein Vertrag?

Keine Firmenadresse?

Nicht mal eine Telefonnummer, Faxnummer, – nur eine Mailadresse? Die allerdings sah ganz seriös aus: Sekretariat@{Firmensitz}.com

Die ersten Dateien wurden übermittelt, damit ich meinen Auftrag auch verstehen kann, denn wenn man nicht weiß, worüber man schreiben soll, ist es etwas schwierig. Und wieder der Hinweis: Kontendaten durchgeben, man will doch schließlich nicht nur Leistung bringen, sondern auch was davon haben. Aber natürlich, klar.

Die Dateien… die erste kam unter 2 verschiedenen Namen, mit demselben Inhalt. Eine kleine Büropanne? Der Inhalt formuliert wie von einem Fünftklässler, ok, das kann aus dem Streß herrühren, der bei Besprechungen herrscht. Reines Arbeitspapier, also was solls.

Die nächsten Dateien ließen sich nicht mehr problemlos öffnen. eine Schadsoftwaren enthielten sie allerdings nicht, nur einige merkwürdige „Einsprengel“.

Streßtest? Um zu sehen, wie man auf Merkwürdigkeiten reagiert?

Nun, ich muß gestehen, ich reagierte ganz und gar nicht offenherzig.

Ich ließ zwei unabhängige Datenfreaks die Dateien prüfen, kann leider deren Expertise mangels Versändnis nicht wiedergeben…. „UTF-8-Kürzel“ etc, sagt mir nix. Soviel hab ich mitbekommen, „keine eigentliche Schadsoftware entdeckt, aber kleine Merkwürdigkeiten“.

Kurz und gut, ich hab den Job abgesagt. Und noch mal nachgefragt, mit wem ich es denn überhaupt zu tun habe.

Die Antwort? „Du bist ja total paranoid“.

Vielleicht. Vielleicht aber bin ich einem kleinen Geldwäschejob entgangen, bei dem ich hinterher schwerlich hätte erklären können, woher Geld auf mein Konto kam, und wohin es gegangen ist…

Verlockungen sind ganz hübsch im Kino. Da gehören sie auch hin.

Bei dieser Art Verlockung muß es sich um eine ausreichende Gewinnspanne handeln. Andernfalls riskiert man nix. Besser, schätzungsweise.

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2 Antworten to “Verlockendes Angebot”

  1. yerainbow Says:

    Kleiner Nachtrag:
    Ich habe noch einen Dritten Datenfreak die Dateien gegeben, der als Systemmanager auch nötig tools hat.
    Sein Kommentar: bloß die Finger davon lassen, im pdf-file steckt ein kleines Ei, ne nette kleine Überraschung, eine Perlenmuschel – aber die Perle bringt dir kein Glück, wetten?

  2. yerainbow Says:

    weiterer Nachtrag:
    Es gibt auch andere Varianten solcher dubiosen Sachen, als Job getarnt… http://www.rosenheim24.de/bayern/bayern/polizei-warnt-dubiosen-jobangeboten-rosenheim24-1602608.html

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