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Mich kriegt keiner tot !

Oktober 15, 2015

Gastbeitrag von Rue de Guerre (Art & Photographie)

Hier mal ein kleiner Erfahrungsbericht, den ich gerne teilen wollen würde.
Zum einen, um die Vorgehensweise unserer Ämter mal ein wenig zu verdeutlichen, und zum anderen, weil ich denke, dass es wichtig ist, um grad immer vermehrt entstehende Vorurteile bezüglich neuer Zuwanderer aus dem Weg zu räumen.
Ich bin seit 1998 chronisch krank, vermutlich sogar schon weitaus länger, jedoch seit genanntem Jahr ärztlich bestätigt.
Diese führte zu einer Untersuchung durch einen sogenannten Amtsarzt des damaligen Arbeitsamtes, – heute Jobcenter.
Eigenartig, wie das so gewechselt hat, wenn man an Ferienjobs und so denkt, die in meiner Kindheit dazu dienten, Taschengeld aufzubessern, und ein Arbeitsverhältnis damals noch ausreichte, um eine Familie zu ernähren, während man heutzutage bis zu 4 Jobs braucht, um am Ende eventuell sogar noch aufzustocken.
Nun gut, zurück zum Thema.
Nach dem amtsärztlichen Gutachten hat man mich mit 80% Schwerbehinderung eingestuft, die 100% würde ich sicherlich auch bekommen.
Man hat es mir damals folgendermaßen verkauft:
„Sieh zu, dass du in die Grundsicherung rutschst, das nimmt dir eine Menge Stress ab, du bist aus den Forderungen der gemeinützigen Arbeitsangebote raus und nicht mehr von Sanktionen betroffen.“
Damals dachte ich, dass es eine elegante Lösung sei, war mir jedoch nicht bewusst, wie weit ich mich damit selber in ein weiteres Gesellschaftsgefängnis begebe.
Trotz dieser Arbeitsunfähigkeit besuchte ich am Amt vorbei eine Privatschule für Fotgrafie und schloss diese mit besonderem Erfolg ab.
Mir war ja jegliche Art der Beschäftigung untersagt worden.
Das erste Jahr war ich ein wenig eingeschränkt, da ich eine Chemotherapie gemacht habe, die dazu führte, dass ich alle zwei Tage zwangsernährt werden musste.
12 Kilo Gewichtsverlust in nur 6 Wochen !
Hier ein ganz großer Dank an die Pharmaindustire: „Kill your victims!“
Einige Zeit später stellte ich fest, dass ich aus dem Ganzen raus wollte und mich weiterbilden wollte.
Die Idee des Grafikdesigners machte sich immer breiter, und ich beschloss, mit dieser Idee beim Grundsicherungsamt vorstellig zu werden und darum zu bitten, mich wieder dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen.
Das, was dann passierte, ist mir bis heute noch unverständlich, zeigte mir jedoch das Interesse unserer Ämter, Menschen wieder in das Berufsleben zu integrieren.
Bei dem Gespräch mit meiner damaligen Sachbearbeiterin, auch hier ein sehr schöner Begriff, da hier ganz deutlich der Mensch zur Sache wird, wurde mir nahegelegt, meine Idee schnellstmöglich wieder zu verwerfen, da diese dem Amt und auch mir nur mehr Stress bringen würde.
So ließ man mich am Ende stehen.
Also habe ich versucht, mich eigenständig aus dieser Situation zu befreien, und gab einen einjährigen ehrenamtlichen Fotografiekurs für „Sonderbegabte“ – so nennt man heute wohl Menschen mit einer sogenannten Behinderung, der unter anderem auch das Bearbeiten von Bildern am Computer beinhaltete.
Einer der großartigsten Begegnungen, die ich bislang hatte.
Ein weiteres Projekt, was ich gemacht habe, war eine Arbeit zum Thema HiV & AIDS, welches 50 Portraits von Betroffenen beinhaltete.  Diese wurden in der Berliner Aidshilfe ausgestellt.
Es folgte eine Zeit, in der ich mich dann der Landschaft widmete und diese begann zu fotografieren, was mir zu Beginn meiner Ausbildung nie in den Kopf gekommen wäre.
Einige Jahre später, im Jahr 2014, hörte ich von einer sogenannten Friedensbewegung und aufkommenden Demonstrationen.
Die erste war am Tage meines Geburtstages und ich dachte, dass das ein Zeichen sein muss.
Also begab ich mich in der zweiten Woche zum Brandenburger Tor, um mir ein Bild zu machen.  Alles schien genau meine Welt zu sein.
Freie Menschen, gute Ansätze und endlich eine Demonstration, die sich für etwas eingesetzt hat, anstatt gegen etwas. 20 Jahre war ich nicht mehr demonstrieren, damals als Hausbesetzer und auf vielen linken Demos, deren Tenor häufig Gewalt war.
Das war nie meine Lösung, aber ich befand mich in diesen Kreisen und hab mich leiten lassen.
Kurze Zeit später, nachdem ich dann 2014 einige Wochen immer wieder zu den Friedensveranstaltungen ging, begann auch hier etwas, was ich bis heute nicht verstehe.
Es kam zu Intrigen, das Ganze schien unterwandert zu werden, und wir haben begonnen, uns mit einer kleinen Gruppe zu dezentralisieren, um mit den eigentlichen Zielen weiterzumachen.
Diese beinhalteten unter anderem, jedem Menschen ein Ohr zu geben, ob rechts, links, Marsianer oder Venusbürger.
Ruckzuck wurden wir als rechte Splittergruppe abgetan und man hat gegen uns gearbeitet.
Berlin, du bist so sonderbar… Mein Weg war klar – ich wollte Weltfrieden.
Somit ging ich monatelang oftmals 5 Tage in der Woche auf die Straße, um Informationen auszutauschen.  Manch einer mag nun denken: „Was für eine elende Hippiescheisse !“
Nein, ist es nicht…
Es ist eine Frage des Bewusstseins, nur haben wir meiner Meinung nach verlernt, was Menschlichkeit ist.
Diese wurde durch Status und Leistung ersetzt. „Haste was, biste was !“
Jeder kennt diesen Satz und viele folgen dieser Losung.
So auch ich !
Ich behalte mein Herz, welches ich immer gerne mit anderen Menschen teile. Ein großartiges Geschenk, da es streicheln und auch schlagen kann. Liebe kennt weder Grenzen, noch Geschlechter und ist unendlich.
Es ist das Ego, welches daran klammert, und Liebende oftmals in schwierige Situationen bringt, da man sie ja so ungern teilt.  Typischer Fall von Verlustangst.
Nun gut, ich möchte hier auch langsam zum Schluss kommen, da ich die Möglichkeit der mittlerweile auf 160 Zeichen begrenzte Textinhalte bei Weitem überschritten habe und mein Leben auch eher unwichtig ist, da ich nur ein ganz kleiner Bestandteil des Ganzen bin.
Der nächste Schritt wird ein Wechsel sein und ich werde es tunlichst unterlassen in Zukunft meine „Schwerbehinderung“ zu erwähnen, da ich ganz genau dann schwer behindert werde einfach ich zu sein.

Danke fürs Lesen und bitte besucht auch meine Homepage http://www.rue-de-guerre.de/