über Freiheit und ihren Verlust

Gastbeitrag von Hartmut Noack

Zitat: „die „Ausgrenzung“ und Zwang zu einer Konformität. “ … hat 200 Jahre lang zu dem geführt, was wir heute als liberaldemokratische offene Gesellschaft bezeichnen.

200 Jahre lang haben Aufklärer nach und nach geschafft, die Stimmen zu entmachten, die vorher auf Basis einer ererbten Autorität willkürliche Regeln für alle aufstellten.

Wir leben heute in einer Welt, in der das Ideal gepflegt wird, dass politische Diskussion freier Bürgerinnen und Bürger nur einer Autorität unterworfen ist: der normativen Kraft des Faktischen.

George Orwell hat es so gesagt: „Freiheit ist das Recht, sagen zu dürfen, dass 1 plus 1 gleich 2 ist.“

Auch, wenn eine Autorität behauptet, es sei 3, auch, wenn die Mehrheit der Bevölkerung sagt, es sei 1 und er hat nicht gesagt, dass man auch das Recht haben soll, zu sagen, dass 1 plus 1 gleich 4 ist.

Der Umkehrschluss ist offensichtlich: wenn die normative Kraft des Faktischen verachtet wird, gibt es keine Freiheit. Dann gibt es nur Gewalt und Unterdrückung. Denn ein Ergebnis der Frage nach 1 plus 1 muss sich durchsetzen, um konkret in der wirklichen Welt handeln zu können. In einem Nihilismus, in dem es egal ist, ob es 1, 2 , 3 oder 17 ist, gibt es kein gemeinsames Handeln und der wichtigste Evolutionsvorteil der Menschheit, die Zusammenarbeit, verschwindet.

Das ist noch nie geschehen und wird auch nicht geschehen, denn eine Kultur, die die Fähigkeit zur Zusammenarbeit verliert, wird so schnell so geschwächt, dass sie autoritärer Herrschaft zur Beute wird, bevor sie die ersten 3 sinnlosen Varianten des Ergebnisses von 1 plus 1 durchbuchstabiert hat.

Genau das war schon immer der erste Schritt zu totaler Herrschaft. Sulla hat die römische Republik kassiert, weil diese sich nicht mehr auf den Respekt für Fakten einigen konnte, Lenin hat Russland kassiert, weil dieses gerade 15 Jahre lang die Wirklichkeit ignoriert hatte, Hitler hat die Weimarer Republik abgeräumt, weil diese sich als unfähig erwies, sich auf eine vernünftige Wirtschafts und Sozialpolitik zu einigen.

Und alle 3: Sulla, Lenin und Hitler (und auch Mao, Pol Pot, Pinochet, DAESH etc etc) haben eins gemeinsam: eine Meinung. Eine Meinung, die nicht auf das faktische Rücksicht nimmt, sondern aus Vorstellungen künstlich konstruiert ist, die nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt sind.

Wer mitreden will, muss konform diskutieren. Konform zu den Fakten. Man kann darüber streiten, was genau die Fakten sind. Aber sobald diese Frage wissenschaftlich geklärt ist, gilt der Stand der Erkenntnis und wer diesen ignoriert, kann nicht mitreden.

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