„gendergerechte“ Sprache und ihre eigentliche Funktion

Als Luise Pusch et al. seinerzeit die Idee zur „gendergerechten Sprache“ hatte, war die Grundidee dahinter denkbar einfach: die bis dahin so unsichtbaren „mithelfenden Ehefrauen“ und andere dienstbare weibliche Wesen endlich sichtbar zu machen.

Das war zu der Zeit auch sinnvoll. Noch nicht lange her, da konnte Frau allenfalls heiraten, aber kein eigenes Geld verwalten (bis 1962), kein Sorgerecht für Minderjährige erhalten (bis 1969), keinen Vertrag ohne Zustimmung des Ehemannes abschließen (bis 1977) – das betraf auch den eigenen Arbeitsvertrag. Bis 1997 hatte eine Ehefrau keine Entscheidungsbefugnis über ihren Körper, sollte ihr Mann auf Sex bestehen.

Bis 1958 enthielt das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) den Gehorsamsparagrafen 1354. Dieser räumte dem Mann die alleinige Entscheidungsbefugnis in allen Fragen des ehelichen Zusammenlebens ein.

Daß Frauen ebenso wie Männer Kranführer, Kraftfahrer, Institutsleiter, Geschäftsführer und was sonst noch sein könnten, hatte sich einfach noch nicht herumgesprochen. Daß sie, einfach so, eigene Entscheidungen treffen können, eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln und üben, ist eine recht neue Idee (in der Freien Welt, anderswo gab es das schon früher, was aber nicht Gegenstand dieser Betrachtung sein soll).

Inzwischen spricht es sich herum, daß Frauen das alles können, auch wenn oft noch gespöttelt wird. Und „weibliche Minderleistung“ wird noch so lange in der Auffassung der Öffentlichkeit kolportiert werden, wie Frauen sich von solchen Vorannahmen beeindrucken lassen…

Das Gendern der Sprache ist perfekt geeignet dafür, leider. Die ursprüngliche Idee erweist sich als Pferdefuß.

Kleines Beispiel? Ich wurde mitunter schon angepflaumt, gern von Feministinnen, „wieso ich mich als Experten bezeichnen würde, nicht als Expertin?!?“ und das in anklagendem Ton.

Ja, wieso nur? Weil es hochproblematisch wäre, würde es an meiner Expertise etwas ändern, ob ich nun Experte oder Expertin bin.

Und genau dafür wurden in verschiedenen Sprachen die Unterschiede für männliche oder weibliche Tätigkeiten, Ergebnisse, Anforderungen erfunden: um sofort zu sehen, ob es ein Mann nicht eindeutig besser kann. Denn eine Frau, das war ja klar, war nur zweite Garnitur, mit kleinem grammatikalischem Kunstkniff sofort sichtbar.

Und wir versuchen das mit Macht durchzudrücken? Genauso wie die rosa Markierungen der „Sachen für Mädchen“? Aber das wäre schon wieder einen Extra Artikel wert. (Oder, da ich weiblich bin, eine Artikelin…)

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