Herrin hilf!

– Eine Polemik, viel scharf, kein Knoblauch –

Gastbeitrag

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Und nicht umgekehrt (Solipsisten können an der Stelle aufhören zu lesen).

Gesellschaftliche Veränderungen verändern auch die Sprache. Aber nicht umgekehrt. Da wird z.B. die Todesstrafe abgeschafft und – schwupps! – ist der Begriff des Halbmeisters obsolete und verschwindet aus dem aktiven Wortschatz. Aber falls wir beschließen würden, den Begriff des Pferdes nicht mehr zu verwenden, würde es trotzdem nicht aussterben. Zum Glück!

Also, warum sollte durch die Verwendung der Gendersternchen, – bienchen und -pfiffikusse gesellschaftliche Ungerechtigkeiten aufhören zu existieren? Man kann sie damit markieren, aber nicht beseitigen.
Natürlich gewachsene Sprache ist elegant und zwanglos. Wollen wir, dass in jedem Text gesellschaftliche Ungerechtigkeiten markiert werden?

Wollen wir wirklich wissen, ob in der Lasagne nun Hengst oder Stute verarbeitet wurde? Oder reicht Pferd in der Zutatenliste? Ist es notwendig zu wissen, ob ich das Brot beim Bäcker oder der Bäckerin kaufte? Hautsache, ich wurde freundlich bedient und musste nicht zu lange warten, und das Brot war gut und preiswert.

Berufsbezeichnungen sind ja sowieso äußerst beliebt in der Genderdebatte. Dabei sollte es doch darauf ankommen, ob die Person der jeweiligen Profession kompetent und professionell agiert. Ob Bäcker oder Bäckerin ist doch nur interessant, wenn ich außer dem Wunsch nach Brot noch Paarungsabsichten hege.

Wir müssen die Gesellschaft dahingehend ändern, dass für die Berufsausübung das Geschlecht irrelevant ist. Dann wird auch die Sprache folgen. Aber indem wir die Sprache verbiegen, aufblähen und verstümmeln, können wir höchstens das Problem benennen, aber nicht ändern. Und die Texte und Textinnen werden unnötig lang, überfrachtet und fast unlesbar.

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