Posts Tagged ‘Adoption’

Reiche Eltern für ALLE!

Dezember 11, 2009

Gut, gut, das war wohl auch einer der Slogans der Studentenproteste, und damit haben die Studenten ganz recht – wer Qualität verlangt, muß zahlen. Fehlende Qualität jedoch hat einen noch höheren Preis, behauptet der Volksmund.

Das ist ein Problem, mit dem sich die Studentenschaft auseinandersetzen möge, denn irgendwie sind diese Leutchen ja doch schon erwachsen. Also selbständig, unabhängig und eigenverantwortlich lebend. Zumindest dem Gesetz nach.

Minderjährige Kinder jedoch sind das alles nicht.

Hier soll es jedenfalls um einen Aspekt des Kinderlebens gehen, der sehr wichtig ist. Ohne weiteres läßt sich dieses Beispiel auch auf andere Bereiche und Wünsche übertragen. Es geht ums Fahrrad. In einem sehr klugen Artikel der FAZ wird darauf hingewiesen, daß man keine Fahrräder aus dem Discounter für das Kind kaufen sollte. Nachzulesen hier: http://www.faz.net/s/Rub9AE899D74FA64E1C97C29D196E8EB0BB/Doc~E3D7CE7B824A64674952FFE48BF5EFAA5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Für das Kind, auch aus Gründen der Erhaltung der Gesundheit, aber auch für mehr „fun“ und den geringeren Verschleiß des Fahrgerätes sollte man mehr investieren. Vielleicht sogar mehr als in ein Erwachsenen-Fahrrad.

Ich erinnere mich, als ich mir ein Fahrrad zulegen wollte, das etwas taugt, blickte ich in meinen Geldbeutel – und siehe da, es reichte allenfalls für ein Radl aus dem Baumarkt. Ich habs noch immer. Es ist nicht das peppigste, und es hat auch so seine Macken, und klappern tut es auch noch. Aber es läßt sich radeln, und darauf kommt es mir an. Es soll weder über Berge schroten noch Treppenstufen oder geröllverfüllte trockenliegende Flußbetten in Geschwindigkeitsrausch überwinden.

Nein, es soll einfach nur so bissl durch die Stadt rollen, sagen wir, zur Post.

Ich habe damals auch meinen Kindern jeweils solche Räder zugemutet und sie strengstens ermahnt, mit diesen vorsichtig umzugehen, da das Budget kein weiteres Fahrrad zuläßt. Die Wahrheit ist: der Zeitungsschreiber hat ja so recht!

Die Fahrräder meiner Kinder haben eine Weile gehalten. Dann wurden sie entsorgt. Zu meinem Glück sind meine Kinder inzwischen erwachsen, jedoch keine Studenten.

So bleiben sie vor dem Anliegen verschont, sich reiche Eltern suchen zu müssen. Nein, sie dürfen sich selbst kümmern. Und ich, als nicht ausreichend reicher Elternteil guck ihnen dabei ein wenig von der Ferne aus zu.

Wir werden sehen, ob sie sich jemals wieder ein Fahrrad zulegen werden. Eines, das höchsten Ansprüchen gerecht wird…

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Die Sorgen lediger Väter…

Dezember 4, 2009

„Väter-„organisationen jubeln. Der Europäische Menschenrechts -Gerichtshof hat wieder einmal ein Urteil zum Thema „Das Recht am Kind“ gefällt. Hier nachzulesen, daß ein lediger und nicht sorgeberechtigter Vater Rechte erhalten soll. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,665007,00.html

Es ist nicht der erste Entscheid des Eu MGH, der von einem speziellen Sachverstand zeugt. Da gab es den Fall „Görgülü“, der von vielen mit vollem Interesse verfolgt wurde.

Es wurde einem Adoptivkind die Familie, in der es lebte, entzogen. Der Vater dieses Kindes, verheiratet und an Folgen seiner außerehelichen sexuellen Kontakte augenscheinlich vordringlich nicht weiter interessiert, bekam Rechte am Kind.

Die Kindesmutter hatte dieses Kind zeitnah zur Geburt zur Adoption freigegeben. Inzwischen mußte das Kind seine eigenen, ihm bekannten Eltern – die Adoptiveltern – verlassen und „darf“ nun in der Familie des  biologischen Vaters leben. Nach dem Kindeswohl, dem Kindesrecht (das offensichtlich nicht existiert) und der gesunden Unterstützung der Kindesentwicklung hat kein Eu MGH gefragt. Dort ist man sicherlich sehr zufrieden mit der Entwicklung der Dinge. Die Entwicklung des Kindes ist hingegen eher mäßig.

Hier ein Überblick zu diesem Fall, wer sich hindurcharbeiten will http://www.agsp.de/html/n487.html

Ein etwas ähnlicher Artikel, kürzer, leider auch im Juristen-Jargon, hier http://www.agsp.de/html/a109.html

Man muß davon ausgehen, daß die meisten ledigen Väter mit ihren Fällen ganz anders gelagert sind. Weder haben sie die betreffenden Schwangerschaften ignorriert noch haben sie das Kind vernachlässigt, gar mißhandelt oder traumatisiert. Sie leiden darunter, daß ihnen das Umgangsrecht verwehrt wird und sie kein Sorgerecht erhalten können.

Der fehlerhafte Gedankengang liegt auch beim Gesetzgeber. Denn wäre es vom Gesetzgeber nicht als Sorgerecht benannt worden (was historische Ursachen hat), sondern Sorgepflicht, würden sich die Väterwünsche doch gleich ganz anders anhören.

Mütter und Vereine würden diese modernen Väter hochleben lassen, die sich darum reißen, Pflichten rund ums Kind übernehmen zu dürfen. Es würde Auszeichnungen hageln, und Chefs würde die komische Frage nach dem „Babyjahr für Sie? Sie sind doch ein Mann!“ gänzlich im Halse stecken bleiben.

Leider ist es nicht so häufig, daß die klagenden Väter die Pflichten im Auge haben, wenn sie „sich um ihre Kinder kümmern wollen“.

Leider, muß man sagen, gibt es auch ausreichend Mütter, die sich diesen Pflichten nicht stellen können. Die Pflegekinder-Ressorts der Jugendämter können davon ganze Arien singen. Diesen Müttern, die aus verschiednen Gründen ihre Pflichten nicht absolvieren können, haben sehr selten Väter zu bieten, die sich mehr darum bemühen würden. In manchen Fällen hat das Kind mit beiden Eltern kein gutes Los gezogen, und es in solchen Fällen in Pflege zu geben, ist ein Geschenk, das nur wenigen Kindern zukommt, ohne langwierige Kämpfe und zähes Herumgezerrtwerden überstehen zu müssen…

Ich möchte mich hier aber nicht auf die Fälle mit deutlichen Defiziten konzentieren, sie sind zu komplex, um das kurz abhandeln zu können. Ein Lesetip von mir, wer sich dafür interessiert, http://www.agsp.de/html/r192.html

Der Vater, der für das Umgangsrecht streitet und am liebsten der Mutter seines Kindes alle Rechte verwehren wollte, möge sich ein wenig mit der Geschichte vertraut machen.

Bis 1969 war es – paradiesische Verhältnisse, nicht? – nicht vorgesehen, daß eine Mutter das Sorgerecht für ihr Kind bekommt. Eine Mutter war entweder verheiratet – Sorgerecht beim Vater , geschieden – Sorgerecht beim Vater, oder in allen anderen Fällen mit einem sorgeberechtigten Vormund ausgestattet.

Die Auswirkungen solcher Politik ist recht kurzweilig in der Autobiographie des Schauspielers Gottfried  John nachzulesen, „Bekenntnisse eines Unerzogenen“. Es gibt auch weniger bekannte Leute, denen ähnliches zugestoßen ist. Ein Amtsvormund war berechtigt, ein Kind der ledigen Mutter zu entziehen, und es in ein Kinderheim zu stecken. Ein geschiedener Vater war leicht in der Lage, die Mutter von den Kindern fernzuhalten, wenn ihm der Einfluß nicht zusagte.

Ein geschiedener Vater, der seine Exfrau zur Kindespflege beauftragte (nicht sie durfte entscheiden, das entschied ER), war über das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder in der Lage, die gesamten Lebensumstände der geschiedenen Frau zu bestimmen. Das ging von Schulbesuch, Gesundheitsfürsorge bis zur Festlegung des Wohnortes.

Natürlich galt auch der Scheidungsgrund, damals wurde noch „schuldig“ geschieden. Eine schuldig geschiedene Frau war ihre Kinder natürlich los, und ein schuldig geschiedener Mann konnte trotzdem Sorgeberechtigter seiner Kinder sein. Oder aber es gab einen Amtsvormund.

Ein Vater, der heute um das Recht kämpft, die Sorgepflichten für sein Kind erfüllen zu dürfen, hat ein schweres Erbe in Form dieser historischen Belastung zu tragen.

Dabei kann es doch immer nur um eines gehen: was ist gut und sinnvoll für das Kind. Im Eifer des Streites wird das nur allzuoft in die hinterste Ecke gedrängt.

Die alte Frage drängt sich wieder in den Vordergrund: wem nützt es. Daraus kann man ableiten, wie es klappen wird.

Also, liebe ledige Väter: selbst wenn die Gesetze geändert werden, ist so mancher Sieg mit Machtmitteln ein Pyrrhus-Sieg.

Oh, Baby, Baby…

November 26, 2009

Eine nicht ganz neue Geschichte. Schon Moses soll in einem Körbchen den Nil heruntergeschwommen sein, und eine Pharaonentochter erbarmte sich seiner und rettete ihm das Leben und gab ihm eine Zukunft…

So sagt es die Legende.

Einige deutsche Vereine haben im Verbund mit religiösen Honoratioren diesen schönen Brauch wiederbelebt, vor ungefähr 10 Jahren. Das nannte sich Babyklappe und sollte „verzweifelten jungen Frauen die Möglichkeit geben, ihr Kind am Leben zu halten“, äh, am Leben zu lassen.

Der Gedanke dahinter war, wenn eine sich schon anknallen ließ, und dann auch noch schwanger wurde, und das Kind aus allen möglichen Gründen nicht behalten könnte, würde sie es sicher umbringen. Man hört ja ab und zu solche Horrorstories, Babys in Tiefkühltruhen oder einbetoniert in Blumenkübeln und was dergleichen schöne Ablageorte noch wären.

Aus diesen Fällen leitete man ab, daß eine Babyklappe, bei der das Kind heimlich abgelegt werden kann, denn die Kirchentreppen sind heuer doch etwas zu gut beobachtet, diesen Kindern das Leben retten könnte.

Inzwischen, ich erwähnte es schon, gibts die Babyklappen schon seit etwa 10 Jahren. Daß sie im rechtsfreien Raum operieren, hat bisher auch nicht weiter gestört. Und ich neige auch eher zu der Ansicht, daß die Horrorstories von Tiefkühltruhen oder Blumenkübeln nicht seltener geworden sind.

Aber da müssen sich schon Fachleute drum kümmern. Ich kann nur vermuten, daß die Klappen also ihren Job so gar nicht richtig erfolgreich tun.

Andererseits hat heute eine Mutter das Recht, ihr Kind zur Adoption abzugeben, wenn sie es nicht selbst aufziehen kann oder mag. Das darf sie sich nach der Geburt auch noch mal 8 Wochen überlegen. Eine Einwilligungserklärung ist nämlich erst nach diesen ersten 8 Wochen nach der Geburt rechtsgültig abzugeben. Vermutlich will der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung tragen, daß eine Frau kurz nach einer Geburt seelisch etwas aufgewühlt ist. Ich habe mir allerdings sagen lassen, daß es auch Väter gibt, die es emotional aufwühlt, ein Kind zu bekommen…

Nun denn, es gibt seit Bestehen der Babyklappen kritische Stimmen GEGEN diese Klappen. Mittlerweile hat sich der Ethikrat damit befaßt und eine Empfehlung dazu abgegeben: http://www.welt.de/politik/deutschland/article5334945/Ethikrat-empfiehlt-Schliessung-von-Babyklappen.html

Darauf melden sich massiv Stimme zu Wort, die sich sehr FÜR die Fortführung der Babyklappen stark machen. Sehen wir uns das etwas genauer an. Es sind bekannte Herren der Religionsfraktion, denen allerdings von ihren eigenen Fachfrauen widersprochen wird, nachzulesen im angegebenen Artikel. Eine Bischöfin wird diesbezüglich für die Herrenriege zitiert, aber halten wir ihr mal zugute, daß sie nicht so genau durchschaut, worum es da geht.

Eine anonyme Geburt ist in Deutschland offiziell derzeit nicht möglich. Das hat gute Gründe, denn einerseits hat das Kind das Recht zu erfahren, von wem es abstammt. Andererseits würde anonyme Geburt bedeuten, die liebe Mama trägt die Kosten sofort und bar, oder sie hat hierfür sofort einen solventen Geldgeber. Die Krankenkasse jedenfalls kann den Klinikaufenthalt nicht finanzieren, wenn´s ANONYM geschieht. Kann sie das nämlich, weiß sie, für welche Versicherte sie zahlt…

Das bedeutet aber ebenso, daß die Schwangere ohne jegliche Unterstützung und Hilfe durch die Geburt hindurch muß. Sieht so aus, als wäre das natürlich unbedeutend. Kleinigkeit?

Dies also ist ein Problem. Das nächste Problem ist natürlich, daß in der Babyklappe abgelegte Kinder tatsächlich anonyme Kinder sind, also unbekannte Kinder.

Wer könnte ein Interesse daran haben, ein Kind völlig anonym bleiben zu lassen? Weniger die Mutter, die zu einer Adoptionsfreigabe bereit ist – vielleicht ein unwilliger Vater? Offensichtlich wissen die Herren Kirchenoberen recht gut, was die eigentliche Ursache für die Babyklappe ist… der anonym zu bleiben wünschende Kindeserzeuger.

Da die Kinder anonym sind, ist auch jeglicher Willkür und kriminellen Handlungen einiges an Möglichkeiten zugewachsen. Der Inzest-Täter ist sicherlich ebenso angetan von den Möglichkeiten wie der Zuhälter, der sein Pferdchen disziplinieren, erpressen oder einfach fertig machen will.

Über Folgeprobleme, die sich noch für unregistrierte Kinder und kriminell interessierte Beteiligte ergeben könnten, möchte ich gar nicht spekulieren.

Wo ein Markt existiert, finden sich früher oder später auch Anbieter. Und auch Gesetze hindern daran nicht unbedingt.