Posts Tagged ‘Feierabend’

Hartz4-Totalreform?

Januar 8, 2010

Rüttgers, der gute Mensch von Sezuan, will Hartz4 reformieren.

Hier nachlesbar

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,670731,00.html

Feine Sache das, wenn es dafür sorgt, daß Menschen sich nicht mehr als Nutzlose vor dem TV zum geistigen Winterschlaf platzieren. Gute Idee auch, daß sie mehr dazuverdienen dürfen sollen. Wer weiß, vielleicht würde es den einen oder anderen – prinzipiell eher ehrlich strukturierten – Menschen zu weniger Schwarzarbeit verführen.

Obwohl es eher eine Sache der Chefs ist, ob sie bereit sind, jemanden wahrhaftig für seine Leistungen zu entlöhnen, auch nebenkostenmäßig…

Aber warten wir es einfach ab.

Möchte jemand Prognosen abgeben?

Ich tippe ja darauf: der Name wird geändert, die Daumenschrauben eine Runde weitergedreht (man mache sich frisch…) und sonst… sonst…

Nun ja. Eine Umbenennung ist doch auch schon eine Reform, nicht wahr?

Nicht: „…eine Familientragödie“, sondern versuchter Mord

Dezember 10, 2009

Ein Mann ist wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Während in den Zeitungen meist von „Familientragödie“ berichtet wird, nannte das Gericht die Aktion ganz zutreffend einen versuchten Mord, nachzulesen hier http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,666181,00.html

Ein Vater versuchte also, seine Kinder – zu denen er schon einige Zeit keinen Kontakt mehr hatte – mit einem Hammer zu erschlagen. Warum er dies tat, kann man nur vermuten, aber einige Hypothesen dazu liegen recht nahe:

– Das Kind als Besitz. Und verliert er seinen Besitz, so kann er im Zorn gedacht haben, „wenn ich die nicht besitzen darf, darf sie keiner besitzen“. Klassisches Motiv beim Eifersuchtsmord, und sehr entlarvend.

– Die Mutter hart bestrafen. Einer Mutter – vorausgesetzt einmal, sie hat ein gutes Verhältnis zu ihren Kindern und nimmt an ihren Fortschritten und ihrem Leben regen Anteil – die Kinder nicht nur zu entziehen, sondern sie auch noch dazu zu zwingen, diese begraben zu müssen, ist eine extrem harte „Strafe“. Klassisches Rache-Motiv.

– Die Kinder „erlösen“ aus ihrem eventuell schwierigen Leben. Damit nimmt der Täter eine Heils-Figuren-Haltung an, und geht schlicht davon aus, daß er problemlos einschätzen kann, wie lebenswert das Leben für diese Kinder noch ist. Und er legt individuell fest, daß der Lebenswert für diese Kinder nicht mehr ausreicht. Klassisches Erlöser-Motiv mit Perfektionismus-Anspruch.

– Kränkung. Er wurde nicht um seine Ansicht zu der ganzen Angelegenheit gefragt, sondern die Entscheidungen fielen ohne ihn. Widerum ein klassisches Rache-Motiv, gepaart mit einem ausgeprägten Größenwahn.

– Zorn/Wut. Weder wurde er gefragt, noch wurde er besänftigt. Möglicherweise erwartete er einen gewissen Unterwerfungs-Gestus, um Großmut walten zu lassen, oder auch nicht. Rache-Motiv mit Größenwahn.

Möglicherweise habe ich einge der Gründe dieses Vaters vergessen oder nicht ganz verstanden. Mir ist auch nicht bekannt, welche er selbst angegeben haben mag. Aber die Zielrichtung seines Handelns ist klar ersichtlich: den Kindern einen großen Schaden zufügen, um die Mutter zu treffen.

Man möge mich nicht falsch verstehen. Dies ist nicht an die biologische Vaterschaft gekoppelt, und auch nicht an das biologische Geschlecht. Wichtig ist hier nur, daß ein Mensch seine Möglichkeiten genutzt hat, um einen anderen Menschen fertigzumachen, und dabei schwere Folgen für unbeteiligte und ausgelieferte Wehrlose nicht nur billigend in Kauf nahm, sondern auch gezielt als Mittel verwendete.

Besonders ins Auge fällt, daß er der Polizei erst einen Wink gab, als er meinte, die Kinder seien nun wirklich tot.

Das Beispiel zeigt, daß die Sorgerechtsfrage und die Frage nach dem Kindeswohl eine sehr wichtige Frage ist, die nicht nach einem beliebigen Schema, nicht nach Wunschdenken und nicht leichtfertig gehandhabt werden darf. Zum Schutz von Minderjährigen, die sich noch nicht selbst schützen können.

Die Sorgen lediger Väter…

Dezember 4, 2009

„Väter-„organisationen jubeln. Der Europäische Menschenrechts -Gerichtshof hat wieder einmal ein Urteil zum Thema „Das Recht am Kind“ gefällt. Hier nachzulesen, daß ein lediger und nicht sorgeberechtigter Vater Rechte erhalten soll. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,665007,00.html

Es ist nicht der erste Entscheid des Eu MGH, der von einem speziellen Sachverstand zeugt. Da gab es den Fall „Görgülü“, der von vielen mit vollem Interesse verfolgt wurde.

Es wurde einem Adoptivkind die Familie, in der es lebte, entzogen. Der Vater dieses Kindes, verheiratet und an Folgen seiner außerehelichen sexuellen Kontakte augenscheinlich vordringlich nicht weiter interessiert, bekam Rechte am Kind.

Die Kindesmutter hatte dieses Kind zeitnah zur Geburt zur Adoption freigegeben. Inzwischen mußte das Kind seine eigenen, ihm bekannten Eltern – die Adoptiveltern – verlassen und „darf“ nun in der Familie des  biologischen Vaters leben. Nach dem Kindeswohl, dem Kindesrecht (das offensichtlich nicht existiert) und der gesunden Unterstützung der Kindesentwicklung hat kein Eu MGH gefragt. Dort ist man sicherlich sehr zufrieden mit der Entwicklung der Dinge. Die Entwicklung des Kindes ist hingegen eher mäßig.

Hier ein Überblick zu diesem Fall, wer sich hindurcharbeiten will http://www.agsp.de/html/n487.html

Ein etwas ähnlicher Artikel, kürzer, leider auch im Juristen-Jargon, hier http://www.agsp.de/html/a109.html

Man muß davon ausgehen, daß die meisten ledigen Väter mit ihren Fällen ganz anders gelagert sind. Weder haben sie die betreffenden Schwangerschaften ignorriert noch haben sie das Kind vernachlässigt, gar mißhandelt oder traumatisiert. Sie leiden darunter, daß ihnen das Umgangsrecht verwehrt wird und sie kein Sorgerecht erhalten können.

Der fehlerhafte Gedankengang liegt auch beim Gesetzgeber. Denn wäre es vom Gesetzgeber nicht als Sorgerecht benannt worden (was historische Ursachen hat), sondern Sorgepflicht, würden sich die Väterwünsche doch gleich ganz anders anhören.

Mütter und Vereine würden diese modernen Väter hochleben lassen, die sich darum reißen, Pflichten rund ums Kind übernehmen zu dürfen. Es würde Auszeichnungen hageln, und Chefs würde die komische Frage nach dem „Babyjahr für Sie? Sie sind doch ein Mann!“ gänzlich im Halse stecken bleiben.

Leider ist es nicht so häufig, daß die klagenden Väter die Pflichten im Auge haben, wenn sie „sich um ihre Kinder kümmern wollen“.

Leider, muß man sagen, gibt es auch ausreichend Mütter, die sich diesen Pflichten nicht stellen können. Die Pflegekinder-Ressorts der Jugendämter können davon ganze Arien singen. Diesen Müttern, die aus verschiednen Gründen ihre Pflichten nicht absolvieren können, haben sehr selten Väter zu bieten, die sich mehr darum bemühen würden. In manchen Fällen hat das Kind mit beiden Eltern kein gutes Los gezogen, und es in solchen Fällen in Pflege zu geben, ist ein Geschenk, das nur wenigen Kindern zukommt, ohne langwierige Kämpfe und zähes Herumgezerrtwerden überstehen zu müssen…

Ich möchte mich hier aber nicht auf die Fälle mit deutlichen Defiziten konzentieren, sie sind zu komplex, um das kurz abhandeln zu können. Ein Lesetip von mir, wer sich dafür interessiert, http://www.agsp.de/html/r192.html

Der Vater, der für das Umgangsrecht streitet und am liebsten der Mutter seines Kindes alle Rechte verwehren wollte, möge sich ein wenig mit der Geschichte vertraut machen.

Bis 1969 war es – paradiesische Verhältnisse, nicht? – nicht vorgesehen, daß eine Mutter das Sorgerecht für ihr Kind bekommt. Eine Mutter war entweder verheiratet – Sorgerecht beim Vater , geschieden – Sorgerecht beim Vater, oder in allen anderen Fällen mit einem sorgeberechtigten Vormund ausgestattet.

Die Auswirkungen solcher Politik ist recht kurzweilig in der Autobiographie des Schauspielers Gottfried  John nachzulesen, „Bekenntnisse eines Unerzogenen“. Es gibt auch weniger bekannte Leute, denen ähnliches zugestoßen ist. Ein Amtsvormund war berechtigt, ein Kind der ledigen Mutter zu entziehen, und es in ein Kinderheim zu stecken. Ein geschiedener Vater war leicht in der Lage, die Mutter von den Kindern fernzuhalten, wenn ihm der Einfluß nicht zusagte.

Ein geschiedener Vater, der seine Exfrau zur Kindespflege beauftragte (nicht sie durfte entscheiden, das entschied ER), war über das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder in der Lage, die gesamten Lebensumstände der geschiedenen Frau zu bestimmen. Das ging von Schulbesuch, Gesundheitsfürsorge bis zur Festlegung des Wohnortes.

Natürlich galt auch der Scheidungsgrund, damals wurde noch „schuldig“ geschieden. Eine schuldig geschiedene Frau war ihre Kinder natürlich los, und ein schuldig geschiedener Mann konnte trotzdem Sorgeberechtigter seiner Kinder sein. Oder aber es gab einen Amtsvormund.

Ein Vater, der heute um das Recht kämpft, die Sorgepflichten für sein Kind erfüllen zu dürfen, hat ein schweres Erbe in Form dieser historischen Belastung zu tragen.

Dabei kann es doch immer nur um eines gehen: was ist gut und sinnvoll für das Kind. Im Eifer des Streites wird das nur allzuoft in die hinterste Ecke gedrängt.

Die alte Frage drängt sich wieder in den Vordergrund: wem nützt es. Daraus kann man ableiten, wie es klappen wird.

Also, liebe ledige Väter: selbst wenn die Gesetze geändert werden, ist so mancher Sieg mit Machtmitteln ein Pyrrhus-Sieg.

Wie man die christliche Religion schützt

Dezember 1, 2009

Ich lese gerade Zeitung. Und ganz unvermittelt springt mich eine Überschrift an „Freier Sonntag hilft Religion mehr als Minarettstop“.

Da bin ich doch verwirrt. Der Minarettstop hilft also der Religion auch ein wenig, wenn auch nicht so viel wie der freie Sonntag.

Welcher Religion denn?

Eine gute Frage.

Und wie hilft der freie Sonntag der Religion? Ist es dazu nötig, daß ALLE einen freien Sonntag haben? Also die Fischfrau auf dem Fischmarkt genauso wie die Käsefrau auf dem Käsemarkt? Der Schornsteinfeger wie der Bäcker?

Was ist mit dem Notarzt und seinem Rettungssanitäter? Die müßten auch frei haben.

Der Pastor auf der Kanzel müßte frei haben.

Die Fluglotsen und die Piloten müßten frei haben, und natürlich auch die Stewardessen.

Wie ist das im Kinderkrankenhaus? Müssen dann am Sonntag die Kindeseltern antreten und 24 Stunden Dienst schieben für ihr Kind? Ich frage mich aber, ob das beim Verabreichen von nötigen Injektionen, sagen wir mal, ein wenig stressig werden könnte?

Im Altenheim dürfen sich die Alten am Sonntag selbst kümmern. Sie sollten sich freuen, auch sie haben mal frei…

Klingt das nicht verlockend?

Ich hatte ja schon immer den Verdacht, wenn man Religion mit Unsinn vermischt, wird es wohl nicht besser werden.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article5390863/Freier-Sonntag-hilft-Religion-mehr-als-Minarettstopp.html

Wirtschaftskrise trifft vor allem Männer?

November 24, 2009

So schreibt es jedenfalls die Zeitung (beispielhaft hier nachzulesen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,662835,00.html )

Herausgefunden hat das jedenfalls eine kluge EU-Kommission. Die wissen es genau! Natürlich haben Frauen ganz andere Lebensmodelle, kann man daraus schließen. Sie finanzieren ihr Leben nicht mit Arbeit, stimmts? Ich habe jetzt zwar keine konkrete Idee, wie Frauen – und Kinder – das so hinkriegen, aber wenn sie nicht unter der Krise zu leiden haben?

Männer können da nur ganz neidisch gucken. Die Wirtschaftskrise trifft sie also viel härter. Was schreibt das Massenblatt zur Massenunterhaltung hochseriöse Informationsmedium dazu?

„In der Krise haben vor allem Männer ihre Jobs verloren.“

Muß man nun daraus schließen, daß Frauen ihre Jobs nicht verlieren? Das klingt ja sehr modern.

Oder bekommen die Frauen nun die gutbezahlten Jobs der Männer? Haben die Frauen also etwa krisensichere Jobs?

Des Rätsels Lösung sieht dann aber etwas weniger nett aus, und Frauen, allen voran alleinerziehende Mütter, sind wohl doch eher bei der Hartz-4-Behörde zu finden als in einem krisenfesten Job. Also, als Hilfeempfänger, nicht unbedingt als Sachbearbeiterinnen…

Es liegt vielmehr daran, „daß die Krise Männerdomänen wie die Bauwirtschaft und die Automobilindustrie besonders hart getroffen habe, schreibt die Kommission.“

Worüber die Kommission nichts schreibt, ist die schlichte Tatsache, daß man seine Arbeit nur verlieren kann, wenn man zuvor erst einmal eine hatte. Eine bezahlte Arbeit, so richtig mit Gehalt und Urlaubstagen.

Denn unbezahlte Arbeit gibt es genug, davon können Frauen – besonders Mütter – eine Menge erzählen. Arbeit ohne Gehalt, zum Ausgleich aber auch ohne Feierabend.

Na, DAS ist doch auch was wert!