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Beschißkultur

August 11, 2017

alles nur Symptome.
das Grundproblem ist… hab lange drüber nachgedacht…

Lügen und Betrügen, Vernutzen und mißachten, kurzfristige Gewinne und langfristige Zerstörung, Gewinne abschöpfen und Verluste auf alle draufdrücken…
nicht erst seit gestern. schätzungsweise seit 12tausend Jahren…

in meinem Fachbereich nennt man das ein Suchtsystem.
unsere Kultur ist eine Suchtkultur.

zudem, wer sich bescheißen läßt, „selbst schuld“.

da eine Kultur das ist, was wir von Anfang an als richtig und gut gelehrt bekommen…
Wege aus der Suchtkultur?
Wissenschaft verlangt Belege, setzt Qualitätsstandards.
ich hege die tiefe Annahme, daß nur wissenschaftliche Methoden ein Weg fort von der Beschißkultur sein können.
auch da gibt es Betrug, denn auch Wissenschaftler wachsen in dieser Beschißkultur auf.
doch da wird überprüft. Beschiß funktioniert dort also nur begrenzt.

aus unserer Vorgeschichte können wir lernen, wie es jedenfalls nicht gemacht werden sollte.

und wieder diese Deutschen…

Oktober 25, 2010

Gastkommentar von Bernd Cunow

(Es handelt sich um eine echte Angelegenheit, keine literarische Geschichte)

https://www.xing.com/net/gemeinsam

„Sehr geehrter Herr Sonhs,
mit Interesse verfolge ich Ihre neue Gruppe, die sich an unsere
Urbevölkerung richtet und die Verwässerung durch Migranten
vermeidet. So können wir unsere urgermanischen kulturellen
Empfindungen ausleben.
Finde es nur komisch, dass Ihre Co-Moderatorin offensichtlich
nicht so ganz hinter unserer volksgenössischen Gesinnung steht,
und die Gruppe in Ihrem Profil nicht auftaucht.
Schön finde ich, dass versprengte Gruppenmitglieder der etwas
urvölkischen Gruppe Verschwörungstheorien eine neue Heimat
gefunden haben. Gerne würde ich Ihrer Gruppe beitreten, habe
allerdings einen jüdischen Opa mütterlicherseits aus Polen.
Ferner duzt mich ungestraft mein Döner-Bäcker. Nun sehe ich mich
realistisch als verweichlichten Deutschen an. Sie würden vielleicht
Kanonenfutter sagen und haben bestimmt rechts!
Viel Spaß mit Ihrer Gruppe
Bernd Cunow“

Fragen zu Sarrazin

August 31, 2010

Gastkommentar von Thomas Jahnke

Ich frage mich, warum die Leute nicht über die Sache und Sarrazins Behauptungen reden, sondern immer nur in so vielen Worten kritisieren, dass er so was öffentlich gesagt hat. Ernsthaft, dass ist doch kleinbürgerlich.
Da kommt einer und sagt… „Harz IV ist genetisch bedingt, die Unterschicht ist halt dumm geboren, grad wegen den ganzen Kanacken auch.“ und man möchte meinen, dass auf 80 Jahre Sozial- und Naturwissenschaft hingewiesen wird, um ihn zu widerlegen und dann is gut.
Aber was sehen wir aus dem politischen Lager und gerade aus der SPD? „Sowas sollte man nicht sagen.“ und mein Lieblingszitat „Es gibt Dinge, die haben im öffentlichen Diskurs nichts verloren.“
Meinerseel! Aber daheim und am Stammtisch darf man schon Rassist sein, nur bitte nicht öffentlich sagen, könnte sich ja auf die Wahlergebnisse auswirken…
Da kommt mal wieder die tief verinnerlichte Oberflächlichkeit der Politikerklasse raus. Das Problem ist doch nicht, dass Genosse Thilo sich öffentlich als Eugeniker outet, sondern dass es ein Eugeniker in diese Ämter geschafft hat.

Ich freu mich, dass er es endlich rausgelassen hat, der Thilo. Jetzt wissen wirs! Danke Thilo, nur wenige bekennen sich zu ihren politisch unbequemen Idiotien.
Und was lernen wir daraus?
1. Dass man als erzrechter Eugeniker Karriere in der SPD machen kann. Ich lass mir gleich mal das CSU Beitrittsformular schicken, da kriegt man wenigstens Ämter.
2. Dass der generische deutsche Politiker offensichtlich aus Nazis in hohen Ämtern dulden würde, solange sies nur bitte nicht öffentlichen preisgeben.
Na dann…

Zivilcourage? – unerwünscht.

Mai 4, 2010

Der 1. Mai – und raus geht es auf die Straßen.

Das gilt nicht nur für Demokraten, nein, auch die Nazis machen das ganz gern. Schon früher, wenn sie mit Fackelzügen die allgemeine Dunkelheit zu erhellen versuchten, oder bei vergleichbaren Gelegenheiten. Immerhin, man darf nicht vergessen, es gab auch Schwarze bei den Olympischen Spielen in Deutschland. Im Olympia-Film habe ich das ganz eindeutig gesehen…

Allerdings sollte man wohl heute als Schwarzer oder sonstwie undeutsch auffallender Mensch eher nicht in die nazideutsche Jubelmenge eintauchen, es sei denn, man ist tatsächlich Olympiasieger oder wenigstens berühmter Fußballstar. Selbst dann könnt´s schiefgehen…

Zivilcourage? Das ist immer so eine Sache. Da hat ein Politiker namens Thierse sich mit Nichtpolitikern, also Privatpersonen ohne juristische Immunität, an einer Sitzblockade beteiligt, die den zivilen Protest gegen diese Nazitypen zum Ausdruck bringen sollte.

Hier kann man das z.B. nachlesen

http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/heftige-kritik-an-blockierse-thierse/

Nun denkt die Polizeigewerkschaft, namentlich ihr Vorsitzender Wendt, darüber öffentlichkeitswirksam nach, ob und wie dies ein Rechtsverstoß war.

Ich persönlich bin ja begeistert von so viel Initiative einer Gewerkschaft. Bisher war mir noch nicht bewußt, daß eine Gewerkschaft sich auch auf diesem Gebiet betätigt. Das ist genaugenommen bewundernswert, denn es kann die juristischen Organe entlasten.

Im grunde brauchen wir dann keine Gerichtsbarkeit mehr. Die Polizeigewerkschaft kann das alles sicherlich auch, und noch viel besser. So ganz neu ist die Idee zwar nicht, das gab es sehr wohl schon in Deutschen Landen, daß die polizeiartig Tätigen und die Polizeibeamten gemeinsam völlig frei entschieden, Strafmaß festlegten, und auch gleich durchführten.

Anderswo hat man dafür weniger nette Bezeichnungen, aber das muß uns Deutsche ja nicht stören. Wir waren schon immer selbstbewußter. Nicht wahr?

Zurück zu Herrn Thierse. Er hat persönlichen Mut bewiesen.

Warten wir es ab, was aus der Zivilcourage wird, und ob sie uns noch gestattet sei, hier und jetzt in Deutschland.

Wie der Polizei-Gewerkschafts-Chef das sieht, haben wir schon verstanden. Aber ob das auch juristisch so zu sehen ist, muß sich erst zeigen.

Neugierig bin ich da schon.

Die vertriebenen Deutschen…

Januar 10, 2010

und Erika Steinbach. Ein echtes Kapital für sich.

Herr Broder, dessen erklärter Fan ich ganz gewiß nicht bin, der aber dennoch ab und zu einen klug-bissigen Beitrag schreibt, der mir gefällt, hat sich dazu geäußert.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,670786,00.html

Ich möchte dem ganzen noch einen anderen Aspekt hinzufügen. Ich habe mich immer schon gewundert, warum die „Vertriebenen“ – müßte es nicht vielmehr „Umgesiedelten“ heißen? Immerhin hatten viele nicht das Glück, den Krieg überhaupt zu überstehen – nicht zur Ruhe finden.

Zufällig ist mir ein kluges Buch einer sehr klugen Frau in die Hände geraten, leider ist es auf dem normalen Büchermarkt nicht zu finden. Wer sich dennoch auf den Weg machen will, für den stehen die Titelangaben am Ende des Beitrages.

In diesem Buch geht es eigentlich um die Spätaussiedler-Problematik, hierzulande werden diese Leute kurz und unzutreffend „Russen“ genannt. Dort, wo sie herkommen, waren sie die bösen Deutschen, obwohl sie vielleicht ganz gern Russen gewesen wären. Diktatoren aber benötigen immer ein gewisses Verschiebungspotential, Stalin war da keine Ausnahme, und Menschen mit einer kleinen Besonderheit sind da leicht zu benutzen…

In diesem Buch geht die Autorin auch auf deutsche Meinungen und Vorstellungen ein, und so macht sie einen kleinen Abstecher zur Eingliederung der „Ostvertriebenen“ nach dem Krieg. Und schreibt da kurz und knapp…. „der Mythos der schnellen Anpassung der Vertriebenen…“

Und da fiel es mir ein. Es kursierten ja auch genügend Geschichten, erzählt von älteren Leuten, die das erlebt haben. Wie sie über die Auffanglager in Deutschland verteilt wurden, aber überall als zusätzliche Belastung angesehen wurden. Mit ihren Kindern spielte keiner, sie lebten in noch unzumutbareren Umständen als die zerbombten Einheimischen.

Denn sie waren die Überzähligen, die Unnötigen, die nämlich keiner gerufen hatte. Die ungerufen gekommen waren, denn wo sollten sie auch hin?

Daß die Polen und die Tschechen in ihren nun eigenen Gebieten ihre eigenen Regeln aufstellten, war zu erwarten – kein Vergleich mit den Regeln, die von Deutschen aufgestellt worden waren in neubesetzten Gebieten!

Was den Vertriebenen oder Geflüchteten viel mehr im Magen gelegen haben muß, das war die Ablehung seitens ihrer eigenen Landleute, die mit dem Wenigen, das sie hatten, nicht unbedingt teilungswillig waren; vorsichtig formuliert.

Kein Wunder, daß diese Leute noch immer einen handfesten Groll hegen. Obwohl ich bezweifle, daß Frau Steinbach, Jahrgang 43 – vertrieben oder mit auf der Flucht als 18 Monate alter Säugling – eigene konkrete Erinnerungen daran hat.

Was ihr wohl gut im Gedächtnis geblieben sein muß, ist die Zeit danach. Die Zeit, in der sie als Kind eine Unerwünschte unter „ansässigen Einheimischen“ gewesen sein mag.

Liebe Vertriebene, denkt mal drüber nach. Auf wen sich Euer Groll wirklich richtet. Nicht auf die Polen und die Tschechen.

Sondern gewiß auf Landsleute, und das aus verschiedenen Gründen. Nicht nur aus dem von mir genannten.

Literatur: Tröster, Irene (2003). Wann ist man integriert? Eine empirische Analyse zum Integrationsverständnis Rußlanddeutscher. In Europäische Hochschulschriften, Reihe XXII Soziologie, Bd. 385. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften.