die bittere Realität

August 17, 2021

Gastbeitrag von @philaroundthew1

Angeregt von einem Tweet von @KielTrixie:
2015 saß ich in einer der durchlaufstärksten Erstaufnahmeeinrichtungen Ostdeutschlands und verantwortete die medizinische Betreuung.

Ich dachte, ich schreibe, mal was damals „los“ war – und was Herr @ArminLaschet vergisst:
Ein Thread

Wir haben mit weniger als einer Woche Vorlauf ein Team aus engagierten Hauptamtlichen, motivierten Ehrenamtlichen (oft selber mit Migrationshintergrund – Menschen die oft nur 6 Monate Vorsprung hatten) und vielen Kontakten, u.a. zu Unikliniken, etc. aufgebaut. 24/7 mehrere hundert Flüchtlinge direkt von der Grenze sichten, triagieren, entscheiden ob jemand lebensbedrohlich erkrankt, infektiös, eigen- oder fremdgefährdend ist – das konnten unsere Leute binnen Tagen. Die Patienten hatten die Hölle hinter sich. Die Mehrheit ist die komplette Balkanroute zu Fuß gelaufen, bei Wind und Wetter, oft mit kleinen Kindern. Viele hatten Kriegsverletzungen und Krankheiten, die wir so in Deutschland nicht mehr sehen – selbst in Unikliniken nicht.

Anfang 20/m/Kopfschuss mit Scharfschützengewehr. Teile der Schädeldecke nekrotisch, große Teile des Frontalhirns ungeschützt, Seh- und geistig behindert.
Der Bruder führte ihn bis an die deutsche Grenze.

3J/w/Splitterverletzung des Darms Bauch + schwerste Wurmerkrankung.
Es ist den behandelnden Kinderchirurgen vollkommen unklar, wie das Kind mit mehreren Löchern im Dünndarm & frei im Peritoneum aktiven Würmern mehrere Wochen überleben konnte.

Baby, wenige Tage alt. Schwerste Pneumonie, respiratorischer Arrest bei uns – wäre nicht durch Zufall ein renomierter Kinder-Intensivmediziner im Haus gewesen, wäre das Kind vermtl. verstorben.
Es kam wenige Tage vorher im Wald bei Braunau zur Welt.

Man versuchte, nach Deutschland zu kommen, da das Gerücht herum ging, Österreich würde Pushbacks nach Ungern durchführen, als das Kind kam. Die Handyakkus waren wohl leer, als man die Rettung holen wollte.
Der Vater spricht fließend deutsch, hat hier studiert. Als er bei mehreren Bauernhöfen klopfte, wurde ihm nicht geöffnet bzw. gerne auch ein „Gehst halt verrecken mit deinem Balg“ entgegen geschrien.

Das sind nur Beispiele. Wir hatten Geburten, Suizide, psychische Ausnahmezustände/Psychosen und v.a. ganz viele Menschen, denen wir mit normaler Hausarztmedizin helfen konnten.

Wenn ein Herr Laschet jetzt ein „2015“ verhindern will zeigt er nur seine wahre, zu tiefst opportunistische oder ggf. sogar rassistische, Seite.
Und er spuckt all jenen die sich damals den Arsch aufgerissen haben ins Gesicht.


Pfui!

Übrigens: Warum habe ich diese Fälle ausgewählt? Nicht, weil sie besonders dramatisch waren. Sondern weil ich weiß, wie sie ausgingen: ALLE der betroffenen Personen sind mittlerweile gut integriert, verdienen ihr eigenes Geld und zahlen Steuern.
Und das trotz dieses Starts.

Herrin hilf!

Februar 19, 2021

– Eine Polemik, viel scharf, kein Knoblauch –

Gastbeitrag

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein.“ Und nicht umgekehrt (Solipsisten können an der Stelle aufhören zu lesen).

Gesellschaftliche Veränderungen verändern auch die Sprache. Aber nicht umgekehrt. Da wird z.B. die Todesstrafe abgeschafft und – schwupps! – ist der Begriff des Halbmeisters obsolete und verschwindet aus dem aktiven Wortschatz. Aber falls wir beschließen würden, den Begriff des Pferdes nicht mehr zu verwenden, würde es trotzdem nicht aussterben. Zum Glück!

Also, warum sollte durch die Verwendung der Gendersternchen, – bienchen und -pfiffikusse gesellschaftliche Ungerechtigkeiten aufhören zu existieren? Man kann sie damit markieren, aber nicht beseitigen.
Natürlich gewachsene Sprache ist elegant und zwanglos. Wollen wir, dass in jedem Text gesellschaftliche Ungerechtigkeiten markiert werden?

Wollen wir wirklich wissen, ob in der Lasagne nun Hengst oder Stute verarbeitet wurde? Oder reicht Pferd in der Zutatenliste? Ist es notwendig zu wissen, ob ich das Brot beim Bäcker oder der Bäckerin kaufte? Hautsache, ich wurde freundlich bedient und musste nicht zu lange warten, und das Brot war gut und preiswert.

Berufsbezeichnungen sind ja sowieso äußerst beliebt in der Genderdebatte. Dabei sollte es doch darauf ankommen, ob die Person der jeweiligen Profession kompetent und professionell agiert. Ob Bäcker oder Bäckerin ist doch nur interessant, wenn ich außer dem Wunsch nach Brot noch Paarungsabsichten hege.

Wir müssen die Gesellschaft dahingehend ändern, dass für die Berufsausübung das Geschlecht irrelevant ist. Dann wird auch die Sprache folgen. Aber indem wir die Sprache verbiegen, aufblähen und verstümmeln, können wir höchstens das Problem benennen, aber nicht ändern. Und die Texte und Textinnen werden unnötig lang, überfrachtet und fast unlesbar.

Sex um jeden Preis?

August 5, 2020

Gastbeitrag


Ich kann es nicht mehr hören. Dieses oder jenes gefährdet Arbeitsplätze. Nun betrifft es die Sexindustrie. Ein Prostitutionsverbot gefährdet Arbeitsplätze.
Ach ja? Wer hat den Kotsammler damals gefragt, als Toiletten in den Häusern zum Standard wurden. Oder was ist mit den Scharfrichtern? Keine öffentlichen Hinrichtungen mehr
und schon war wieder eine Berufsgruppe außen vor. Oder Sklavenhändler? Kein Sklavenhandel, kein Bedarf an Sklavenhändlern. Und die haben bestimmt nicht freiwillig
ihren Job aufgegeben. Und nun also die „Sexarbeiter“ aka Nutten (kein Kunde geht zu einer Sexarbeiterin).

Ich habe nichts dagegen, wenn zwei (oder meinetwegen auch mehr) Bock aufeinander haben und es vogelwild treiben. Aber muss dabei Geld fließen? Muss der Kunde sich temporär einen
Körper zum Gebrauch kaufen?

Wir leben in einer Solidargemeinschaft. Das Ziel einer Solidargemeinschaft ist, einem größtmöglichen Anteil der Bevölkerung ein bestmögliches Leben zu ermöglichen.
Solidargemeinschaft heißt nicht, alles für alle. Ist es nun in einer solchen Gesellschaft nötig, dass sich ein paar wenige Männer Körper kaufen können auf Kosten der
physischen und emotionalen Unversehrtheit der Anbieterinnen. Wohl kaum!

Und denkt die Solidargemeinschaft mal etwas weiter. Diese Sexarbeiterinnen können arbeitslos werden und werden mit Sicherheit auch alt (die meisten jedenfalls).
Dann bezahlt Ihr aus Euren Sozialabgaben deren Arbeitslosengeld und deren Rente (falls sie sowas überhaupt bekommen). Wäre es nicht besser, diese Mittel für
ein vernünftiges Gehalt z.B. bei Krankenschwestern oder Lehrerinnen einzusetzen?

Sex ist eine tolle Sache. Jeder sollte ihn haben. Wenigsten ab und zu. Aber in einer modernen Gesellschaft, die wir doch hoffentlich sind oder werden wollen,
sollte der Kauf und Verkauf von Körpern zwecks Gebrauch nicht mehr erlaubt sein. Wie gesagt, nicht jeder hat das Recht auf alles.

„Besorgte Bürger“ näher gesehen

April 26, 2020

Gastbeitrag von @lawen4cer

Ich habe jetzt mal eine Weile mit ein paar „besorgten Bürgern“ und Mitgliedern der AfD diskutiert und dabei folgende Erfahrungen gemacht: (Kurzer Thread)

Diese Leute finden es normal einen Diskussionspartner bei jeder Antwort erst einmal zu beleidigen und zu unterstellen er habe vom Thema keine Ahnung und sei ohnehin ein Idiot. Das Konzept unterschiedlicher Meinungen als Basis einer Diskussion ist völlig unbekannt.

Es fehlt oft an jeglicher Sachkenntnis wie zum Beispiel Wirtschaft oder Staaten oder Energieversorgung funktionieren oder politische Entscheidungen gefällt werden. Stattdessen regiert naivster Kinderglaube.

Obwohl sie in einem reichen Land mit geringer Kriminalität leben wähnen sie sich in einem Krisengebiet kurz vor dem Bürgerkrieg mit ständig steigenden Opferzahlen von Ausländerkriminalität und einer Wirtschaft die wegen dem Klimaschutz jeden Moment zusammenbricht

Gleichzeitig sind Klimaschützer aus ihrer Sicht „hysterisch“

Komplexeren Argumentationen können sie nicht folgen, Vergleiche verstehen sie nicht. Geschichtswissen ist praktisch nicht vorhanden

Die gesamte Sichtweise der Welt ist von der Suche nach persönlichem Vorteil geprägt, deswegen wird jedem Gegenüber automatisch unterstellt und vorgeworfen er handele nach dem selben Prinzip

Gegenüber anderen (Schwächeren) begrüßen sie ein gesellschaftliches System das nach dem Recht des Stärkeren funktioniert, beklagen aber gleichzeitig selber im System zu kurz gekommen zu sein und von bösen Mächten um ihr verdientes Gut gebracht zu werden

Gelangt man in einer Diskussion an mal einen Punkt den sie nicht widerlegen können, verlassen sie unter Beleidigungen und der Behauptung man sie halt offenbar aus Dummheit und Böswilligkeit nicht verstehen den Platz

Ohnehin sind vertiefte Diskussionen selten möglich weil diese Leute eigentlich nur ihre Buzzwords abspulen wollen und dann nicht mehr weiter wissen.

Beim Thema Steuern ist man einerseits offenbar sehr stolz darauf welche zu zahlen, weswegen das gerne in der Bio steht, neben der Information man sei deutsch. Gleichzeitig werden Steuern als Raub selbstsüchtiger Politiker verstanden.

Dieselbe Widersprüchlichkeit beim Thema Wirtschaft. Einerseits will man lieber im Klimawandel ersaufen als „die deutsche Wirtschaft schädigen“ gleichzeitig vermutet man dass alle Politiker und Aktivisten ohnehin nur gekaufte Marionetten einflussreicher Lobbyisten seien.

Zum Thema Buzzwords: Diese Leute erwarten oft zwingend einen bestimmten Gesprächsverlauf. Kommt es zu Abweichungen sind sie irritiert und wollen sie ihn selber erzwingen („Sie werfen mir jetzt bestimmt gleich wieder vor dass ich ein Nazi bin!!!“)

Für politische Gegner wird ohne nähere Begründung ein negativer Narrativ geschaffen (Klimaschützer sind Hysteriker, Grüne und Linke sind „versifft“) und dann konsequent verwendet.

Es sind oft grobschlächtige Menschen mit einem Hang zur Grausamkeit gegen andere und Wehleidigkeit für sich selber. Sie finden die Idee eines wölfischen Systems theoretisch super, ahnen aber irgendwie auch dass sie in so einem System selber nicht die Stärksten und Cleversten sind

Das Dilemma lösen sie auf zwei Arten. Sie fordern Härte gegen noch Schwächere und Sonderrechte für sich selber.

Die Komplexität der Welt überfordert diese Leute. Sie denken in monokausalen Zusammenhängen mit kurzem Planungshorizont.

Sie sind unfähig die Sichtweisen und Ziele anderer Menschen nachzuvollziehen. Das führt dazu, dass sie ihre „Gegner“ nur als Abziehbilder wahrnehmen können. Die heilige Greta, Klimahysteriker als Sekte, Messermänner die uns alle umbringen und „unsere Frauen“ vergewaltigen wollen.

Klimaschutz wird durchweg abgelehnt, aber mit verschiedenen Positionen:

  • Klimawandel ist normal
  • Klimawandel gibt es nicht
  • andere („China“) sollen was dagegen machen
  • Klimawandel ist nicht ausreichend erforscht, daher abwarten
  • Wirtschaft geht Klimaschutz vor

Interessant auch, dass die Erzeugung von erneuerbaren Energien für diese Leute offenbar nicht zur wichtigen Wirtschaft zählt, obwohl alle großen Energieversorger dort inzwischen aktiv sind und dort Geld verdient und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Es fehlt oft auch am Wissen was eigentlich Ironie genau bedeutet. Deswegen wird fremde Ironie nicht erkannt und die vermeintliche eigene Ironie extra groß angekündigt („Achtung Ironie“). Die Bezeichnung Ironie wird dabei oft nur als Freizeichnung für Beleidigungen genutzt.

Das Gleiche gilt für Satire

Faktenbasierte Diskussionen – wenn man soweit überhaupt kommt – scheitern dann oft daran, dass man schon keine gemeinsame Ausgangsbasis findet. Jede Faktendiskussion lebt ja vom gemeinsamen Vertrauen in Quellen, aus denen man dann seine Schlussfolgerungen zieht.

Obwohl man „Linke“ ablehnt, werden sie ständig ungefragt als Begründung herangezogen, warum man bestimmtes Verhalten angeblich hinnehmen müsse („Die Linken sind aber GENAU SO schlimm/ NOCH schlimmer“) oder als Selbstrechtfertigung: („Ich bin das Ergebnis linker Debattenkultur!“)

Originalquelle: https://twitter.com/lawen4cer/status/1183645246003056640

Sterbehilfe und Suizidverbot

März 1, 2020

religiösen Ursprungs:

‪was ihr zu erwähnen vergeßt: den Hungerleidern zu versprechen, das wahre Leben würde ja erst im Paradies kommen, führte zu schlauem Abkürzen‬
‪im Binnenkonsens ist das logisch‬
‪aber irgendwer soll ja die Arbeit machen, und da die Hochwohlgeborenen das nicht selber tun wollten, mußte‬ dem natürlich ein Riegel vorgeschoben werden. Suizid wurde also verboten. DAS ist der eigentliche Grund für das Ganze.

Später dann gab es mal eine Reihe von sogenannten „Anvertrautenmorden“, da tötete das Hauspersonal die Kinder seiner Dienstherrschaft. das war eine reine win-win-win- Situation: die geständigen und reuigen Möder erhielten Absolution und Vergebung garantiert. nicht mehr im irdischen Jammertale leiden müssen… die Kinder waren noch unschuldig und gingen auch direkt ins Paradies ein. und man hatte abgekürzt… auch das mußte unterbunden werden, diesmal juristisch.

das also ist der wahre Grund dafür, wieso man unheilbares Leiden aus religiöser Sicht für notwendig und für schützenswert ansieht…

Leibeigenschaft, modern definiert

Januar 14, 2020

zutreffend formuliert von Wolfgang Schäuble

ganzen Artikel lesen

was ist eine Regierung?

November 7, 2019

jedenfalls kein Herrscherhaus, Fürstentum oä

Politiker sind unsere bezahlten Angestellten, die unser Gemeingut verwalten sollen. Unsere Steuern dienen nicht dem persönlichen Luxus des Landesfürsten, sondern uns: Schulen, Straßen, all das – unsere komplette Infrastruktur.

Nun kann ein Gutsverwalter besser oder schlechter wirtschaften. Er kann in die eigene Tasche wirtschaften, heimlich hinter dem Rücken der Inhaber (das sind wir) Besitz verschleudern…

Wer eigentlich kontrolliert unsere VON UNS bezahlten Gutsverwalter?

Zusatz: unfähig oder unwillig = ungeeignet

at least not a ruling royal house, principality or the like.
Politicians are our paid employees who are supposed to manage our common property.
Our taxes do not serve the personal luxury of the sovereign, but us: schools, roads, all that – our complete infrastructure.
Now, an estate manager can manage better or worse. He can manage into his own pocket, secretly squander property behind the back of the owners (that is us)… Who actually controls our land managers paid by us?

Addendum: incapable or unwillingly = lack of suitability

Wie man mit beliebiger Religion umgehen sollte:

September 18, 2019

allen Religionen die Krallen kürzen

also wer’s will, gerne und als Privatvergnügen

aber ohne Sonderrechte

also wie jeder andere Verein auch, zB Gartenverein

english:

how to deal with random religion:

to cut off the claws of all religions

if you want to be religious, your are welcome to do so, but as an private pleasure

but without special rights

so like any other club, for instance gardeners club…

„gendergerechte“ Sprache und ihre eigentliche Funktion

August 18, 2019

Als Luise Pusch et al. seinerzeit die Idee zur „gendergerechten Sprache“ hatte, war die Grundidee dahinter denkbar einfach: die bis dahin so unsichtbaren „mithelfenden Ehefrauen“ und andere dienstbare weibliche Wesen endlich sichtbar zu machen.

Das war zu der Zeit auch sinnvoll. Noch nicht lange her, da konnte Frau allenfalls heiraten, aber kein eigenes Geld verwalten (bis 1962), kein Sorgerecht für Minderjährige erhalten (bis 1969), keinen Vertrag ohne Zustimmung des Ehemannes abschließen (bis 1977) – das betraf auch den eigenen Arbeitsvertrag. Bis 1997 hatte eine Ehefrau keine Entscheidungsbefugnis über ihren Körper, sollte ihr Mann auf Sex bestehen.

Bis 1958 enthielt das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) den Gehorsamsparagrafen 1354. Dieser räumte dem Mann die alleinige Entscheidungsbefugnis in allen Fragen des ehelichen Zusammenlebens ein.

Daß Frauen ebenso wie Männer Kranführer, Kraftfahrer, Institutsleiter, Geschäftsführer und was sonst noch sein könnten, hatte sich einfach noch nicht herumgesprochen. Daß sie, einfach so, eigene Entscheidungen treffen können, eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln und üben, ist eine recht neue Idee (in der Freien Welt, anderswo gab es das schon früher, was aber nicht Gegenstand dieser Betrachtung sein soll).

Inzwischen spricht es sich herum, daß Frauen das alles können, auch wenn oft noch gespöttelt wird. Und „weibliche Minderleistung“ wird noch so lange in der Auffassung der Öffentlichkeit kolportiert werden, wie Frauen sich von solchen Vorannahmen beeindrucken lassen…

Das Gendern der Sprache ist perfekt geeignet dafür, leider. Die ursprüngliche Idee erweist sich als Pferdefuß.

Kleines Beispiel? Ich wurde mitunter schon angepflaumt, gern von Feministinnen, „wieso ich mich als Experten bezeichnen würde, nicht als Expertin?!?“ und das in anklagendem Ton.

Ja, wieso nur? Weil es hochproblematisch wäre, würde es an meiner Expertise etwas ändern, ob ich nun Experte oder Expertin bin.

Und genau dafür wurden in verschiedenen Sprachen die Unterschiede für männliche oder weibliche Tätigkeiten, Ergebnisse, Anforderungen erfunden: um sofort zu sehen, ob es ein Mann nicht eindeutig besser kann. Denn eine Frau, das war ja klar, war nur zweite Garnitur, mit kleinem grammatikalischem Kunstkniff sofort sichtbar.

Und wir versuchen das mit Macht durchzudrücken? Genauso wie die rosa Markierungen der „Sachen für Mädchen“? Aber das wäre schon wieder einen Extra Artikel wert. (Oder, da ich weiblich bin, eine Artikelin…)

Arabische Wissenschaft

März 21, 2019

Gastbeitrag von BigBen

Normalerweise lasse mich mich nur selten zu  einer Rezension hinreißen. Aber Jim al-Khalilis Buch „Im Haus der Weisheit“ hat es verdient, daß ich ein paar Zeilen darüber schreibe. Der Untertitel „Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur“ umreißt schon klar und deutlich, worum es geht.

al-Khalili beschreibt den Aufstieg der arabischen Wissenschaften im 8. Jahrhundert und den Einfluß, den die antiken Wissenschaften dabei hatten. Er führt den Leser in die Wissenschaftszentren der damaligen Zeit und stellt berühmte und bedeutende Wissenschaftler vor. Wobei berühmt und bedeutend aus unserer europäischen Sichtweise nicht unbedingt immer das selbe sein muß. Auch beschreibt er, wie der Staffelstab an die Europäer in der Renaissance zurückgegeben wurde und danach die Entwicklung im arabischen Raum immer mehr stagnierte. Die Religion hatte wie immer dabei einen unrühmlichen Anteil. Das letzte Kapitel über die heutige Situation ist auch eine Aufforderung an die arabische Welt, sich ihrer Wurzel zu erinnern.

Einige der von al-Khalili genannten Namen hat man schon mal irgendwo gehört oder gelesen (z.B. Ibn Sina, al-Biruni). Aber diese konzentrierte Darstellung und der profunde Überblick über die verschiedensten Fachgebiete (Astronomie, Mathematik, Physik, Medizin, Philosophie) den er in dem Buch liefert, ergeben einen ganz anderen Blick auf die Wissenschaftsgeschichte und den Einfluß der arabischen Wissenschaften auf die europäische Welt.

Das Buch kann ich jedem, der nur ein wenig an Wissenschaftsgeschichte interessiert ist, wärmstens an Herz legen. Es liest sich flüssig, ist spannend, und trotzdem ist es keineswegs oberflächlich. Man merkt dem Ganzen deutlich an, daß die Vermittlung der umfangreichen und detaillierten Informationen al-Khalili ein äußerst wichtiges Anliegen ist.

Mich hat er erreicht. Ich hatte in dem Buch viele Aha-Erlebnisse. Und ich hoffe, daß es noch vielen anderen so gehen wird.


#Jim al-Khalili, „Im Haus der Weisheit, Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur“